Die Geschichte der Karlsruher Sternwarte:

Am 6.Juni 1761 beobachtet Karl Theodor, Kurfürst von der Pfalz, zusammen mit dem Jesuitenpater Christian Mayer den Vorübergang der Venus vor der Sonnenscheibe, und zwar in einem kleinen hölzernen Observatorium, das vor der Orangerie im Schwetzinger Schloßgarten errichtet worden war.

1764: Auf dem Mittelteil des Schwetzinger Schlosses wird ein Observatorium gebaut, mit einer kupfergedeckten Kuppel, 3,25 m im Durchmesser, und einem schmalen Umgang, der direkt vom Schlafzimmer des Fürsten aus zu erreichen war.

1769, 3.Juni: Karl Theodor beobachtet den nächsten Venusdurchgang von seinem Schwetzinger Observatorium aus, zusammen mit Franz Xaver von Sachsen.

1772, 1.Oktober: Der Präsident der Mannheimer Akademie der Wissenschaften, Baron von Hohenhausen, legt den Grundstein zu der Mannheimer Sternwarte bei der Jesuitenkirche, einem auf Anraten Mayers zu errichtenden 33 m hohen Turm.

1782, 16.April: Christian Mayer stirbt, betrauert von der wissenschaftlichen Welt als der Entdecker der Natur der Doppelsterne (zwei Sonnen, die um ihren gemeinsamen Schwerpunkt kreisen).

1848-1859: Pläne zur Neuausrüstung der Mannheimer Sternwarte werden mit Prof. Argelander (Bonn) besprochen. Er empfiehlt ein Gebäude mit Drehkuppel, in dem ein 6-zölliger Refraktor unterzubringen ist. Der Großherzog von Baden zeigt großes Interesse, die Stände bewilligen das benötigte Geld.

1859, Frühjahr: Bei Steinheil in München wird ein Sechszoll-Refraktor bestellt.

1860, 20.Mai: Großherzog Friedrich I. und seine Gemahlin Luise besuchen die wiederhergestellte Mannheimer Sternwarte und bewundern das neue Fernrohr. Damit ist nach den Wirren der napoleonischen Kriege und der Revolutionszeit "die Sternwarte wieder zur großen Freude der wissenschaftlichen Welt in die Reihe der nützlichen Anstalten eingetreten". Ab 1875 ist Professor Wilhelm Valentiner Direktor des Observatoriums. Valentiner will aber weg von Mannheim.

1880: Großherzog Friedrich I. genehmigt den Umzug der Sternwarte nach Karlsruhe und stellt für eine provisorische Unterkunft den Erbprinzengarten (heute Nymphengarten, beim Bundesgericht) zur Verfügung. Die Karlsruher Sternwarte sollte, neben ihren wissenschaftlichen Beobachtungen, auch für den Zeitdienst sorgen und für die Eisenbahn und die Schwarzwälder Uhrenindustrie Zeitsignale telegraphisch übermitteln. Valentiner wird Professor an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Für die neue Karlsruher Sternwarte hatten Eisenlohr und Hübsch Pläne gemacht und dafür 34 000 Gulden veranschlagt. Sie ist aber nie gebaut worden.

1885: Der Sechszöller erhält von der Firma Boecker und Fecker (später Ernst Leitz) in Wetzlar eine neue Montierung. Da die Stände das Geld hierfür nicht bewilligen, stellt der persönlich interessierte Großherzog dazu 5000 Mark vorschußweise aus seiner Zivilliste zur Verfügung. Für den endgültigen Standort der Sternwarte werden drei Vorschläge diskutiert: (a) auf dem Gelände des Polytechnikums (TH), (b) auf dem Gelände der Karlsruher Hofdomäne (?), (c) auf dem Königstuhl bei Heidelberg. Man entscheidet sich für Variante (c).

1898, 20.Juni: Nach dem Wegzug von Karlsruhe wird die neue Sternwarte auf dem Königstuhl bei Heidelberg feierlich eingeweiht. Die astrometrische Abteilung übernimmt Prof. Wilhelm Valentiner, die astrophysikalische Prof. Max Wolf. Der Sechszöller wird dort zum Ausmessen von Sternhaufen sowie zu Lehr- und Übungszwecken benutzt.

1924: Letzte Beobachtungen mit dem Sechszöller in Heidelberg (u.a. durch unser inzwischen verstorbenes AVK-Mitglied Dr. Malsch). Das Instrument wird stillgelegt.

1957: Die Landessternwarte auf dem Königstuhl bietet der Stadt Karlsruhe den Sechszöller als Geschenk an. Die Stadt nimmt an, nicht zuletzt dank der lebhaften Fürsprache durch Studienrat Hildenbrand. Man beschließt, auf dem Dach des im Bau befindlichen Max-Planck-Gymnasiums in Rüppurr eine Schulsternwarte einzurichten und das Instrument dort aufzustellen.

1959, 11.Mai: Die Schulsternwarte des Max-Planck-Gymnasiums in Karlsruhe-Rüppurr mit dem historischen 6-Zoll-Teleskop aus Heidelberg wird eingeweiht.

1979: Nach jahrelanger Volkssternwarten-Tätigkeit auf dem Kant-Gymnasium in der Karlsruher Innenstadt übernimmt die Astronomische Vereinigung Karlsruhe die Betreuung der Schulsternwarte auf dem Max-Planck-Gymnasium in Rüppurr als "Volkssternwarte Karlsruhe" mit regelmäßigen öffentlichen Führungen am Freitag Abend (außer an Feiertagen und während der Schulferien).

1986: Das Instrumentarium auf der Volkssternwarte wird ergänzt durch ein Schmidt-Cassegrain-Spiegelteleskop von Celestron (C-11) mit 280 mm Öffnung und einer Brennweite von 280 cm, das mit Zuschüssen der Stadt Karlsruhe angeschafft wurde.

1988 wurde, ebenfalls mit Hilfe der Stadt Karlsruhe, das alte Steinheil-Objektiv gegen ein besser korrigiertes 15cm-Linsensystem (vergüteter Halbapochromat) der Firma Lichtenknecker ausgetauscht.

(Diese Zusammenstellung basiert weitgehend auf Notizen von Studienrat Hildenbrand).


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