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Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal
Revolution 1848/49
Die zweite Hälfte der 1840er Jahre überschattete eine
schwere Wirtschaftskrise. Mehrere aufeinanderfolgende Missernten
und eine daraus resultierende allgemeine Teuerung erschütterten
Wirtschaft und Gesellschaft. Sie verschärften die politischen
Spannungen weiter.
Eine deutsche Einigung erschien in dieser Lage immer mehr Menschen
als einziger Ausweg, eine Hoffnung, der Friedrich Daniel Bassermann
mit seiner Motion für ein deutsches Parlament am 17. Februar
1848 Ausdruck verlieh. In diese Stimmung platzte die Nachricht von
der französischen Februarrevolution. Aber nicht nur die Aufbruchstimmung,
auch die Unruhen griffen auf Deutschland über. Während,
wie am 27. Februar in Mannheim, Bürgerversammlungen ihre politischen
Forderungen formulierten, wurden an anderer Stelle Juden überfallen
und ausgeraubt oder herrschaftliche Güter niedergebrannt. Daraufhin
wurden die Pressefreiheit wiederhergestellt und Schwurgerichte sowie
Bürgerbewaffnung bewilligt. In den folgenden Tagen wurde ein
liberales, sogenanntes "Märzministerium" unter Leitung
Karl Hoffmanns berufen. Doch erst die Revolution in Preußen
und Österreich machte den Weg zur Wahl eines deutschen Parlaments
frei.
Die Radikaldemokraten forderten die Fortsetzung des revolutionären
Prozesses mit dem Ziel eines Übergangs zur Republik. Friedrich
Hecker und Gustav Struve konnten sich ihrer Forderung nach einer
Permanenzerklärung im Frankfurter Vorparlament nicht durchsetzen
und verfolgten daraufhin ihre Ziele auf außerparlamentarischem
Wege weiter, zunächst mit dem Heckerzug.
Über eine Mobilisierung der Volksmassen wollten sie Druck
auf die Politiker ausüben und Deutschland "von unten"
republikanisieren. Beide begaben sich nach Konstanz, wo Hecker am
12. April den "Freien Volksstaat" ausrief. Wie der spärliche
Zulauf zu den Freischaren Heckers jedoch schnell zeigte, stand die
übergroße Mehrheit der Leute bewaffneten Aktionen reserviert
gegenüber und setzte auf die bald zu wählende Nationalversammlung.
Bereits am 20. April wurde Heckers Trupp bei Kandern von regulären
badischen Truppen aufgerieben, er selbst entkam in die Schweiz.
Die von Gustav Struve und Franz Sigel geführten Freischaren
unterlagen wenige Tage später bei dem Versuch, Freiburg zu
besetzen. Eine weitere Gruppe von dem Dichter Georg Herwegh aus
Frankreich herangeführter Emigranten erlitt noch im Elsass
das gleiche Schicksal. Auch ein weiterer Aufstandsversuch Gustav
Struves im September scheiterte.
Zu dieser Zeit beriet die am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche
zusammengetretene erste deutsche Nationalversammlung u.a. über
eine Verfassung. Am 27. Dezember 1848 verabschiedete sie die Grundrechte
des deutschen Volkes, am 28. März 1849 folgte nach langem Ringen
die deutsche Verfassung. Sie war ein Kompromiss zwischen den Vorstellungen
der monarchisch-konservativen und der liberal-demokratischen Abgeordneten.
In der Frage des neuen deutschen Reiches entschied sie sich für
die kleindeutsche Lösung ohne Österreich und für
die Wahl des preußischen Königs zum deutschen Kaiser.
Als der preußische König am 3. April 1849 die Annahme
der deutschen Kaiserkrone aus der Hand der Revolutionäre ablehnte,
war die Nationalversammlung gescheitert.
Daraufhin kam es in vielen deutschen Staaten zu einer parlamentarischen
und außerparlamentarischen Bewegung für die Annahme der
Reichsverfassung, die sich an mehreren Brennpunkten zur Mairevolution
1849 verdichtete. Obwohl Großherzog Leopold und die Regierung
im April die in der Paulskirche verkündete deutsche Reichsverfassung
akzeptierten, brach im Mai 1849 in Baden erneut eine Revolution
aus. Ausgehend von der Garnison Rastatt kam es am 12. und 13. Mai
in verschiedenen Städten zu Rebellionen badischer Soldaten.
In Offenburg riefen die Radikalen eine Landesversammlung der Volksvereine
zusammen. Sie forderten den Rücktritt der Regierung, die Ausrufung
der Republik und soziale Reformen. Die Soldaten schlossen sich der
demokratischen Volksbewegung an.
Nach der Flucht Großherzog Leopolds aus Karlsruhe bildete
der Rechtsanwalt Lorenz Brentano eine provisorische Regierung. Eine
konstituierende Landesversammlung - nach gleicher und geheimer Wahl
von Männern gewählt - trat am 10. Juni im Ständehaus
zusammen, um eine neue demokratische und republikanische Verfassung
auszuarbeiten - Baden war für wenige Wochen faktisch Republik.
Die Landesversammlung konnte ihre Arbeit aber nicht beenden, denn
seit Mitte Juni griffen die Bundestruppen unter preußischer
Führung die Aufständischen in Baden und der Pfalz an.
Die Revolutionstruppen waren der Übermacht nicht gewachsen.
Die Bundesfestung Rastatt wurde am 29. Juni eingeschlossen und musste
am 23. Juli mit etwa 5000 Mann kapitulieren. Nach knapp zweimonatigem
Kampf hatten die Interventionstruppen des Bundes "Ruhe und
Ordnung" wieder hergestellt. Danach urteilten Standgerichte
die Gefangenen ab, verhängten Todesurteile und Zuchthausstrafen.
Hunderte von Republikanern wurden in den Kasematten von Rastatt
Opfer von Verwundungen, Krankheiten und Folgen der Haft.
Quellen:
CD-ROM "Für Freiheit und Demokratie, Badische Parlamentsgeschichte
1818-1933, hrsg. vom Stadtarchiv Karlsruhe, Stuttgart 1997.
Manfred Ebener / Lexikon Geschichte in Baden Württemberg/ 22.9.2002:
Weitere Web-Informationen:
Fachinformationsführer Geschichte: Links zur Revolution 1848
/ 1849:
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