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Kaiser-Wilhelm I.-Denkmal
Standort: Kaiserplatz, in der Achse der Kaiserstraße
Künstler: Adolf Heer
Auftraggeber: Stadt Karlsruhe
Geschichte des Denkmals
Nachdem am 9. 3. 1888 Kaiser Wilhelm I. gestorben war und allerorts
Denkmalprojekte angeregt wurden, trug sich auch der Stadtrat der
Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe mit dem Gedanken, ein badisches
Denkmal zu Ehren des Monarchen zu errichten. (...)
Die Verfechter der bildhauerischen Lösung postulierten, "dass
die einzig zulässige Form eines würdigen Denkmals für
einen großen Herrscher wie Kaiser Wilhelm das Reiterstandbild
ist" (Bad. Landesztg. 18. 5.1889, 1. Bl.).
Auch der Großherzog fordert am 20. 6. 1889 : "Unter Gottes
freiem Himmel, zu Pferd, in voller Manneskraft und der ihm eigenen
Würde muss Kaiser Wilhelm dargestellt werden. Ein großes
Reiterstandbild, getragen von dem Volk in Waffen, von den Heerführern,
den Denkern und den Staatsmännern, das großartige und
erfolgreiche Zusammenwirken aller darstellend" (Chronik 1889,
S. 105f.).
Beschreibung des Denkmals
Das Denkmal steht in der Mitte des Kaiserplatzes, auf der Längsachse
der Kaiserstraße, und ist nach Osten, Richtung Stadtmitte,
ausgerichtet.
Der dreiteilige Sockel des Monuments lagert auf einem rechteckigen
Podest, an das sich an den Längsseiten je drei rechteckige
und an den Schmalseiten je drei halbrunde Stufen anschließen.
Die Basis des Sockels - ein schlichter, kubischer Block - leitet
mit einer wulstartigen ,Platte zum Sockelschaft über. Darauf
liegt die Deckplatte, die über den blockartigen Sockelschaft
hinausragt und die Plinthe mit dem Reiterstandbild trägt.
Die einfache, architektonische Gliederung des Sockels hatte Adolf
Heer durch einige Plastiken bereichert. Ober dem Stufenpodest an
der nördlichen Längsseite des Denkmals ruhte in Blickrichtung
zur Kaiserstraße auf einem Sockel ein Löwe als Symbol
der wiedergewonnenen Kraft des neuen Deutschen Reiches, der zwischen
seinen Tatzen das Reichsschwert hält. Auf der gegenüberliegenden
Seite lagerte ein Greif, der Schildträger des badischen Wappens,
mit rückgewandtem Haupt auf lorbeergeschmückten Fahnen.
Über dem Treppenpodest an der Rückseite des Denkmals saß
auf einem halbrunden Sockel Klio, die Muse der Geschichtsschreibung,
und betrachtete auf ihrer Tafel die Worte "Straßburg"
und "Metz", die Hauptstädte der Reichslande Elsass
und Lothringen, deren Wappenschilde zu ihren Füßen am
Sockel lehnten. An der Vorderseite des Denkmals schritt mit wehendem
Gewand und einem Lorbeerzweig in der ausgestreckten Rechten die
Gestalt der Sieges- und Friedensgöttin Viktoria voran, die
mit ihren ausgebreiteten Flügeln die Inschrift "WILHELM
l" rahmte. Die beiden Bronzereliefs an den Längsseiten
des Sockelschaftes zeigen Motive, die auf den Deutsch-Französischen
Krieg 1870/71 verweisen. Auf der Südseite sind badische Truppen
mit dem preußischen Oberbefehlshaber General Graf August von
Werder und dem Generalleutnant sowie Kommandanten der 1. Badischen
Infanterie-Brigade, Prinz Wilhelm von Baden, dargestellt. Auf der
Nordseite wird die Kaiserproklamation in Versailles nach dem durch
Anton von Werner überlieferten Bildtypus wiedergegeben, und
zwar der Moment, in dem Großherzog Friedrich I. von Baden
das Hoch auf "Seine Königliche und Kaiserliche Hoheit"
Wilhelm I. ausruft.
Das Reiterstandbild stellt Wilhelm I. nicht als Kaiser, sondern
als Feldherrn in der Uniform der preußischen Generalität
dar. In der Rechten hält er nicht den traditionellen Feldherrnstab,
sondern einen Feldstecher. Er trägt den Kriegsorden "Pour
le mérite" am Halsband, auf der linken Brust das Eiserne
Kreuz der Ersten Klasse und auf der rechten Brust das der Zweiten
Klasse am Band. Wilhelm I. reitet das Pferd nicht durch die Einwirkung
der Schenkel, wie es heute üblich ist, sondern mit der linken
Hand, mit der er den Hengst führt - ein kräftiges Tier
mit muskulöser Hinter- und Vorderhand, stark aufgerichteter
Halspartie und schräg stehendem kantigen Kopf. Das Pferd befindet
sich in versammeltem Linksgalopp; der Übergang von der Drei-
in die Zweibeinphase deutet den Beginn des Absprungs zum nächsten
Galoppsprung an. Es scheint, als reite der Kaiser nach dem Sieg
über Frankreich, nach der "Rückgewinnung" von
Elsass und Lothringen, als triumphierender Feldherr in die Stadt
ein, während Viktoria voraneilend seinen Sieg verkündet.
Ausführung: Gießerei Schaeffer & Walcker, Berlin
(Bronzeguß);
Firma Rupp & Möller (Steinhauerarbeiten)
Material: Bronze (Figuren, Reliefs, Inschriften), roter schwedischer
Granit (Sockel)
Inschrift: WILHELM I (Sockelvorderseite)
ERRICHTET V. D. STADT / KARLSRUHE IM JAHRE 1897 (Sockelrückseite)
Signatur: Ad. Heer ent. u. mod. 1895 (an der Plinthe links)
GEG. ERZGIESSEREI A. G. SCHAEFFER & WALCKER / BERLIN 1897 (an
der Plinthe rechts)
Erhaltung: Die allegorischen Figuren eingeschmolzen (1943).
Veränderung des Denkmals
Den Ersten Weltkrieg überstand das Denkmal unbeschadet.
Im Zweiten Weltkrieg allerdings nahm das Reichsministerium für
Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung per Erlass vom 6. 7. 1942
nur das Reiterstandbild von der Metallablieferung aus. Die vier
allegorischen Figuren sowie die beiden Reliefs mussten 1943 eingeschmolzen
werden. Die beiden Reliefs wurden zwar entfernt, konnten aber auf
unbekannte Weise vor der Verhüttung bewahrt und nach dem Kriege
wieder angebracht werden. Der Verlust der allegorischen Figuren
hat die pyramidale Gesamtkomposition des Denkmals empfindlich gestört.
Heute erscheint das Postament kahl und tritt wuchtiger hervor, als
dies vom Bildhauer vorgesehen war.
(Quelle:
Denkmäler, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715 -1945
(Veröffentlichung des Karlsruher Stadtarchivs. Bd. 7), Karlsruhe
1989
Autor des Textes: Manfred Großkinsky (Kapitel 60))
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