|
|
|
|
Orient - Okzident /
Orient - Occident
Vortrag / Conférence
Annette Ludwig M.A.: Der imaginierte Orient, Orientalismus und Moderne
L'Orient imaginaire, orientalisme et modernisme
Gibt es schließlich etwas Europäischeres, als dem Orient verfallen zu sein?
(Richard Howard)
Orient und Okzident, das Fremde und das Eigene: Seit der Antike definiert sich Europa über den "Orient" und konstruiert damit einen Gegenentwurf, der die eigene Überlegenheit bestätigen sollte. Die Imagination des Orients als Projektionsfläche von Ängsten und Sehnsüchten erfuhr nach dem Ägyptenfeldzug Napoleons (1798) eine erste Blütezeit und fand mit der Eroberung Algiers (1830) einen weiteren Höhepunkt. Neben der kolonialistischen Expansion trugen die Berichte von Orientreisenden und die Inszenierung von Völkerschauen, Kolonial- und Weltausstellungen zur Entstehung eines romantisierenden "Orientalismus" bei: von der Architektur und Innenarchitektur über die bildende und die angewandte Kunst, in Literatur, Fotografie, Musik und Film bis hin zur Gartenkunst oder zur Mode. Anhand von Bildbeispielen soll - vor allem mit Blick auf die Malerei des 19. Jahrhunderts - gezeigt werden, daß der Orientalismus kein Stilbegriff ist, sondern im Sinne von Michel Foucault und Edward Said einen westlichen Machtdiskurs darstellt: Phantasmagorien von Sexualität und Gewalt, Reichtum und Abenteuer werden in farbenprächtigen Harems-, Tanz- und Badeszenen, in Bildern vom Sklavenmarkt, Kampf- und Reiterdarstellungen oder mystifizierten Wüstenlandschaften entfaltet.
Annette Ludwig M.A., geboren 1963. Kunsthistorikerin. Wissenschaftliche Mitarbeiterin an den Städtischen Museen Heilbronn. Publikationen zur Bildenden Kunst und Architektur des 19. und 20. Jahrhunderts. Zuletzt erschien: Matisse in Marokko, Frankfurt/Leipzig 2002 (Insel).
Annette Ludwig propose une réflexion critique sur le phénomène de l'orientalisme dont elle retrace l'évolution depuis l'Antiquité jusqu'au 20e siècle en passant par la campagne napoléonienne d'Egypte en 1798 et par le romantisme du 19e siècle.
En s'appuyant sur quelques exemples de peintures de l'époque romantique, Annette Ludwig montre que l'orientalisme, qui se manifesta au 19e siècle dans tous les domaines de l'art, ne désigne pas un style mais se traduit plutôt, ainsi que le formulèrent déjà Michel Foucault et Edward Said, par un discours dominateur de l'Occident sur l'Orient. Historienne d'art, Annette Ludwig collabore au Musée de Heilbronn.
|
|
|