20. Europäische Kulturtage Karlsruhe

Kontakt | Impressum

17.04. - 08.05.2010

Mittwoch, 21.04.2010 -
Donnerstag, 29.04.2010


Expeditionen in unbekanntes Terrain – Filmland Ungarn

Mittwoch, 21. April 2010
19:00 Uhr: Eröffnung
Kalte Tage (Hideg napok), András Kovács 1966, dt. Untertitel

21:15 Uhr: So kam ich (Igy jöttem), Miklós Jancsó 1965, dt. Untertitel

Donnerstag, 22. April 2010
19:00 Uhr: Filme des Béla Balázs Studio 1970-1980, dt. Untertitel
21:15 Uhr: Amerikanische Ansichtskarte (Amerikai Anzix), Gábor Bódy 1975, dt. Untertitel

Freitag, 23. April 2010
17:00 Uhr: Kalte Tage (Hideg napok), András Kovács 1966, dt. Untertitel
19:00 Uhr: Freier Fall (Az Örvény), Péter Forgács 1996, dt. Fassung
21:15 Uhr: Taxidermia, György Pálfi 2006, dt. Untertitel

Samstag, 24. April 2010
17:00 Uhr: Infermental I Teile 2-4, Redaktion: Gábor Bódy, Astrid Heibach, 1982
19:00 Uhr: Filme des Intermedia Department, Ungarische Universität der bild. Künste, dt. Untertitel
21:15 Uhr: Dealer, Benedek Fliegauf 2004, dt. Untertitel

Sonntag, 25. April 2010
19:00 Uhr: Filme der Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design, dt. Untertitel
21:15 Uhr: Bibliothèque Pascal, Szabolcs Hajdu 2010, dt. Untertitel

Dienstag, 27. April 2010
19:00 Uhr: Filme des Intermedia Department, Ungarische Universität der bild. Künste, dt. Untertitel
21:15 Uhr: Filme der Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design, dt. Untertitel

Mittwoch, 28. April 2010
19:00 Uhr: So kam ich (Igy jöttem), Miklós Jancsó 1965, dt. Untertitel
21:15 Uhr: Dealer, Benedek Fliegauf 2004, dt. Untertitel

Donnerstag, 29. April 2010
19:00 Uhr: Amerikanische Ansichtskarte (Amerikai Anzix), Gábor Bódy 1975, dt. Untertitel
21:15 Uhr: Bibliothèque Pascal, Szabolcs Hajdu 2010, dt. Untertitel


Unter den osteuropäischen Staaten galt Ungarn immer schon als eines der lebendigsten Filmländer. Seit den 50er Jahren hat sich hier eine Filmkunst entwickelt, die sich immer wieder durch eine große Lust am Experiment und an der Innovation auszeichnete. Eine relativ hohe Jahresproduktion, ein ständiger Wille zur Erneuerung der Filmsprache und der systemkritische Charakter vieler Filme machten die ungarische Kinematografie zu etwas Besonderem innerhalb des ehemaligen Ostblocks. Obwohl ungarische Filme von Fachleuten und Festivalbesuchern sehr geschätzt werden, finden sie nur selten den Weg in deutsche Kinos. Für ein breiteres Publikum ist Ungarn als Filmland noch zu entdecken, wozu dieses Filmprogramm eine hervorragende Gelegenheit bietet. In zehn Programmen erlaubt es einen Einblick in die ungarische Filmkunst in Vergangenheit, Gegenwart und – soweit es möglich ist – in die Zukunft.

Eröffnet wird das Programm mit dem Film KALTE TAGE von András Kovács aus dem Jahr 1966. Es ist eine nicht nur für die Entstehungszeit erstaunliche Rekonstruktion eines Massakers während des Zweiten Weltkriegs. Für seinen dramaturgisch raffiniert entwickelten Film wurde Kovács bei den Internationalen Filmfestspielen Karlovy Vary mit dem Großen Preis ausgezeichnet.

Mit SO KAM ICH von Miklós Jancsó ist ein weiterer Film aus den 60er Jahren im Programm, der sich mit dem Krieg und seinen Auswirkungen beschäftigt. Der Regisseur findet dafür ein ganz eigenes visuelles Konzept, das durch eine ausgeklügelte Kameraarbeit und expressionistische Bildkompositionen besticht. Jancsó gilt als einer der bekanntesten Vertreter der ungarischen Neuen Welle, die in den 60er und 70er international für Aufsehen sorgte.

Zwischen Film und Video ist das Werk von Gábor Bódy angesiedelt. Er war der Initiator des ersten internationalen Videokunst-Magazins INFERMENTAL, das seit 1982 auf Videokassetten veröffentlicht wurde und das sich mit mehr als 600 Arbeiten bis 1991 zu einem Kompendium der Videokunst in den 80er Jahren entwickelte. Wir erinnern mit Beiträgen der ersten Ausgabe an die Anfänge von INFERMENTAL.

Für Gábor Bódy, der mit Filmen wie "Narziss und Psyche" und "Nachtlied des Hundes" international bekannt wurde, stand die Suche nach der Erweiterung der formalen Mittel immer in engem Zusammenhang mit seinen inhaltlichen Anliegen. Bereits 1975 realisierte er den experimentellen Spielfilm AMERIKANISCHE ANSICHTSKARTE, der den Bogen schlägt vom ungarischen Freiheitskampf Mitte des 19. Jahrhunderts zum amerikanischen Bürgerkrieg und sich dabei einer verfremdenden Bildsprache bedient.

Ein weiterer Medienkünstler und Filmemacher ist Péter Forgács, der besonders durch seine Dokumentarfilmreihe uNgarN privat bekannt wurde. Die Serie umfasst rund 15 experimentelle dokumentarische Arbeiten, die auf privaten Amateuraufnahmen basieren. In FREIER FALL von 1996 geht es um das Schicksal der jüdischen Gemeinde Ungarns während der Kriegsjahre. Forgács konnte dafür auf Amateuraufnahmen aus den Jahren 1938 bis 1944 zurückgreifen.

Ein eigenes Programm ist dem legendären BÉLA BALÁZS STUDIO gewidmet, das seit den frühen 60er Jahren eine der Keimzellen des experimentellen und innovativen Kinos in Ungarn war. Die hier vorgestellte Auswahl gibt Einblick in die Produktion aus den 70er Jahren, die als ein besonders spannendes Jahrzehnt für dieses Studio gelten.

Zwei der für den filmischen Nachwuchs wichtigsten Ausbildungsstätten werden mit jeweils einer Auswahl aktueller Studentenarbeiten vorgestellt, die einen Ausblick auf die nächste Generation ungarischer Filmkünstler erlauben. Die traditionsreiche "Moholy-Nagy Universität für Kunst und Design" bietet seit 1980 auch eine professionelle Ausbildung für Animations-Künstler, die traditionelle und digitale Tricktechnik verbindet. An der Ungarischen Universität der Bildenden Künste erhalten Studierende des "Intermedia Departments" eine intensive Ausbildung in den verschiedenen Bildmedien, die zum künstlerischen Arbeiten in einer sich permanent verändernden Medienlandschaft befähigen soll.

Das zeitgenössische ungarische Kino der letzten Jahre vertreten drei Filmemacher, die mit ihren sehr unterschiedlichen Ansätzen auf internationalen Festivals große Beachtung fanden. Zu den bedeutenden ungarischen Filmemachern der jüngeren Generation zählt zweifellos Benedek Fliegauf. In DEALER beschreibt er einen Tag im Leben eines Drogenhändlers, der gleichzeitig ein Bild vom ungarischen Alltag in den Jahren nach der Wende zeichnet.

Die Geschichte dreier Generationen umfasst der Spielfilm TAXIDERMIA aus dem Jahr 2006, radikal in Szene gesetzt von György Pálfi. Ohne Angst vor extremen Bildern erzählt er von Geburt, vom Großen Fressen, von entfesselter Sexualität und vom Auslöschungstrieb der Menschheit. Kaum ein anderer Film aus Ungarn hat in letzter Zeit so heftige Reaktionen hervorgerufen wie dieser, die von vehementer Ablehnung bis zur Auszeichnung mit dem Hauptpreis der Ungarischen Filmwoche reichten.

Die aktuellste Arbeit in diesem Programm, BIBLIOTHÉQUE PASCAL, hatte seine deutsche Erstaufführung bei der Berlinale 2010 und stammt von Szabolcs Hajdu. Dem 1979 geborenen Regisseur gelingt es, die eher trostlose Geschichte einer allein erziehenden Mutter aus Osteuropa, die als Prostituierte in England landet, in ein fantasievolles und märchenhaftes Stück Kino zu verwandeln.

Das Programm wurde kuratiert von György Fehéri, Berlin/Budapest. Eine Veranstaltung der Kinemathek Karlsruhe.
Kinemathek in der Nancyhalle

Filmreihe:
Mi 21. April 2010 –
Do 29. April 2010

Preise: 6 Euro //
ermäßigt 4,50 Euro

Info-Tel.: 0721 9374714

Programmheft zur Filmreihe (PDF, 516 KB)

www.kinemathek-karlsruhe.deKalte Tage // 1966András KovácsSo kam ich // 1964Miklós JancsóDealer // 2004Benedek FliegaufTaxidermia // 2006