20. Europäische Kulturtage Karlsruhe

Kontakt | Impressum

17.04. - 08.05.2010

Freitag, 30.04.2010 // 19:00 Uhr
Eröffnung


Ungarn zwischen den Zeiten und Welten

Internationales wissenschaftliches Symposium

Während des dreitägigen Symposiums werden aktuelle Fragestellungen aus Politik, Gesellschaft und Kultur Ungarns herausgestellt und entsprechend des Konzepts der Öffentlichen Wissenschaft einem breiten Publikum vorgestellt.

Freitag, 30. April 2010
19:00 Uhr
Eröffnung des internationalen
wissenschaftlichen Symposiums
Begrüßung, Grußworte, Festvortrag

20:00 Uhr Podium:
Zwischen Hoffnung und Ernüchterung:
Ungarn in der Demokratiekrise
Trotz des vergleichsweise ruhigen Systemwechsels stehen im Zuge der politischen und wirtschaftlichen Krise der letzten Jahre in Ungarn zwei Jahrzehnte Fortschritt und demokratische Entwicklung auf dem Prüfstand. Ungarische Wissenschaftler und Politiker diskutieren über den konfliktgeladenen politischen Prozess bzw. über Ursachen und Auswege aus der gegenwärtigen Demokratiekrise. Es wird der Frage nachgegangen, welche politischinstitutionellen, wirtschaftlichen und sozio-kulturellen Problemlagen den Demokratieprozess behindern. Die Frage nach Verfassungsnorm und Verfassungswirklichkeit ist dabei von besonderer Bedeutung. Mit anschließendem Empfang.

Samstag, 1. Mai 2010
9:30 Uhr Themenblock:
Ungarns Wirtschaft zwischen zunehmender Korruption und globaler Wirtschaftskrise
Ungarn hat die Umwandlung von einer zentralen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft, nicht zuletzt dank der vorangegangenen Reformpolitik im wirtschaftlichen Bereich, längst durchgeführt. Dennoch scheint die Nachhaltigkeit des ökonomischen Transformationsprozesses durch systemimmanente Gründe und durch die schwere Wirtschaftskrise gefährdet zu sein. Hinzu kommen die Vernachlässigung von strukturellen Reformen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Arbeit, Soziales und die negativen Auswirkungen der Schattenwirtschaft und der Korruption. Welche politischen und wirtschaftlichen Schritte sind notwendig, um die ungarische Wirtschaft (wieder) auf Erfolgskurs zu bringen? Wie kann das stark beschädigte Image der ungarischen Wirtschaft wieder hergestellt werden?

11:30 Uhr Themenblock:
Zwischen Amnesie und Nostalgie:
Ungarische Erinnerungskulturen
Im Mittelpunkt des Interesses stehen kollektive Erinnerungsprozesse, die oft Formen einer durchaus widersprüchlichen Neu- und Umdeutung des historischen und kulturellen Selbstverständnisses annehmen. Diese Prozesse sind keinesfalls einheitlich zu verstehen. Zum einen besteht der Wunsch nach einer Anbindung an eine neue europäische Gedächtnispolitik, zum anderen wird der zunehmende Einfluss nationalkonservativer bzw. rechtspopulistischer Politik, die sich durchaus spezifischer Erinnerungsmythen bedient, mit viel Sorge gesehen. Thematisiert werden etwa die Frage nach dem Stellenwert des Ungarn-Aufstandes 1956 in der ungarischen Erinnerungspolitik und der Umgang mit der kommunistischen Vergangenheit in der heutigen ungarischen Gedächtniskultur.

14:00 Uhr Themenblock:
Zwischen Nation und Ideologie:
Rechtsextremismus in Ungarn
Von der politischen und wirtschaftlichen Krisensituation in Ungarn profitieren hauptsächlich rechtsradikale Organisationen und Parteien, die mit nationalistischen Parolen nach Projektionsflächen suchen und zur Verstärkung der politischen und gesellschaftlichen Spaltung beitragen. Angesichts zunehmender gewalttätiger Übergriffe gegen Roma-Minderheiten wird die Handlungsfähigkeit der Politik stark in Frage gestellt. Das Wiedererstarken rechtsextremer Ideologien und die beunruhigende Situation der Roma-Minderheit stehen im Vordergrund.

16:00 Uhr Themenblock:
Zwischen Ost und West:
Ungarn in der Europäischen Union
Am 1. Mai 2004 ist Ungarn als „wirtschaftliches Musterland“ der Europäischen Union beigetreten und wird 2011 erstmalig die EURatspräsidentschaft übernehmen. Wichtigste Schwerpunkte der ungarischen Europapolitik sind die Weiterentwicklung der Zusammenarbeit mit den Ländern auf dem Balkan und die Wirtschafts- bzw. Finanzpolitik.

Sonntag, 2. Mai 2010
11:00 Uhr Themenblock:
Zwischen Buda-Pest:
Aktuelle Kunst und Gegenkultur
Die komplexen Verflechtungen von Moral, Politik, Kultur und Ökonomie bzw. der Umgang mit der Vergangenheit und der kulturellen Identität sind wichtige Themenstellungen in der ungarischen Gegenwartskunst und -kultur. Es wird der Frage nachgegangen, welche künstlerischen (visuellen, akustischen) Ausdrucksformen Künstlern in Budapest zur Verfügung stehen bzw. inwieweit sie einen Einfluss auf die politische und gesamtgesellschaftliche Entwicklung auszuüben in der Lage sind. Welche Fragen werden von den Künstlern in den Mittelpunkt ihres Schaffens gestellt? Wie kann die Freiheit der Kunst gesichert werden?

13:30 Uhr Podium:
Zwischen Gestern und Heute:
Ungarns Rolle in der politischen Wende 1989
Am 19. August 1989, dem Vorabend des ungarischen Nationalfeiertags, wurde die Grenze zwischen Österreich und Ungarn, dank des Engagements ungarischer oppositioneller Gruppen, im Rahmen des sog. Paneuropäischen Picknicks symbolisch für einige Stunden geöffnet. Über die Bedeutung des „Ersten Risses“ im Eisernen Vorhang und Ungarns Rolle bei der Überwindung der Teilung Europas diskutieren ungarische Wissenschaftler und Zeitzeugen mit deutschen Historikern. Eingeladen werden auch ungarische und ostdeutsche Bürgerinnen und Bürger, die im Mai und im August 1989 die Grenzöffnung persönlich miterlebt haben.


Als Referenten und Podiumsgäste für das Symposium konnten unter anderem gewonnen werden: Prof. Dr. Attila Ágh, Politikwissenschaftler, Institut für Politikwissenschaft an der Corvinus Universität Budapest // Prof. Dr. József Bayer, Politikwissenschaftler, Direktor des Instituts für Politikwissenschaft an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften // Prof. Dr. Ellen Bos, Politikwissenschaftlerin, Andrássy Gyula Deutschsprachige Universität Budapest // Prof. Dr. Katalin Forray R., Soziologin, Leiterin des Lehrstuhls für Romologie und Bildungssoziologie an der Universität Pécs // Prof. Dr. András Inotai, Wirtschaftwissenschaftler, Direktor am Institut für Weltwirtschaft an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften // Dr. Erno Kállai, Parlamentarischer Ombudsmann für nationale und ethnische Minderheitenrechte // Prof. Dr. Attila Pók, Historiker, Direktor des Instituts für Geschichtswissenschaften an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften // Dr. Máté Szabó, Parlamentarischer Ombudsmann für Bürgerrechte // Prof. Dr. Pál Tamás, Soziologe, Direktor am Forschungsinstitut für Soziologie an der Ungarischen Akademie der Wissenschaften.

Eine Veranstaltung des ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), in Zusammenarbeit mit der Industrie und Handelskammer Karlsruhe, dem ZKM | Zentrum für Kunst- und Medientechnologie Karlsruhe und dem Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Leitung:
Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha, ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale, Karlsruher Institut für Technologie (KIT).


Eröffnung:
Fr 30. April 2010 // 18:00 Uhr im Foyer der IHK
Ausstellung:
Fr 30. April 2010 – So 2. Mai 2010

Freiheit und Demokratie – Ungarn –
Vom Abbau des Eisernen Vorhangs
bis zum Schengen-Beitritt

Fotoausstellung
Am 10. September 1989 öffnete Ungarn seine Grenzen und trug somit wesentlich zur Wiedervereinigung Europas bei. Die offizielle Grenzöffnung hat jedoch eine längere Vorgeschichte, denn bereits im Mai 1989 baute Ungarn die technische Einrichtung der Grenzanlage ab. Am 19. August flohen Hunderte von DDR-Bürgern, die sich als Flüchtlinge in Ungarn – in der Hauptstadt und am Plattensee – aufhielten, über die Grenze. Die Ausstellung hat ihren Schwerpunkt in der Darstellung der Ereignisse um das „Paneuropäische Picknick“ vor 20 Jahren und dokumentiert anhand von Fotografien den Aufenthalt der Flüchtlinge aus der DDR in Ungarn, die Öffnung der österreichisch-ungarischen Grenze und das „Paneuropäische Picknick“. Die Exponate werden durch das Kulturinstitut der Republik Ungarn, Stuttgart, zur Verfügung gestellt. Die Sammlung stammt aus dem Fotoarchiv der Ungarischen Nachrichtenagentur (MIT).
Fr 30. April –
So 2. Mai 2010

Eintritt frei
Info-Tel.: 0721 6088933


Fotoausstellung:
Freiheit und Demokratie – Ungarn – Vom Abbau des Eisernen Vorhangs bis zum Schengen-Beitritt

Eröffnung:
Fr 30. April 2010 // 18:00 Uhr im Foyer der IHK
Ausstellung:
Fr 30. April – So 2. Mai 2010

www.zak.kit.edu27. Juni 1989: Alois Mock, damals Außenminister der Republik Österreich, und sein ungarischer Amtskollege Gyula Horn beim Durchschneiden des Stacheldrahtes an der österreichisch-ungarischen Grenze.