9. Dezember 2009
Information
zum Pressegespräch der GRÜNEN
Fraktion am 09.12.2009:
Kosten und finanzielle Risiken bei
Bau und Betrieb des Stadtbahntunnels
Seit langem beklagt die GRÜNE
Fraktion mangelnde Kostentransparenz
bei den Planungen zur Kombilösung
und fordert von der Rathausspitze
eine offene Informa-tionspolitik
ein. Die Ende Oktober dem
Gemeinderat vorgelegte, lückenhafte
Darstellung von Investitions- und
Folgekosten wirft viele neue Fragen
auf.
Die Gemeinderatsmehrheit hat eine
detaillierte Prüfung der zu
erwartenden Kosten durch unabhängige
Gutachter abgelehnt. Dies hat die
GRÜNE Fraktion zum Anlass genommen,
selbst eine überschlägige externe
Kosten- und Risikoeinschätzung in
Auftrag zu geben.
Beauftragt wurde die Münchener GmbH
für Innovative Verkehrsberatung
Vieregg & Rössler, die bereits
zahlreiche Schienenverkehrsprojekte,
darunter Stuttgart 21, begutachtet
hat.
Den Gutachtern wurden keinerlei
Vorgaben hinsichtlich eines
erwarteten Resultats gemacht.
Dementsprechend wurde eine
differenzierte Bewertung der von
Stadtver-waltung veröffentlichten
Kostenprognosen vorgelegt. Zu den
wesentlichen Fakten im Einzelnen:
Standardisierte Bewertung:
Nach überschlägiger Ermittlung würde
eine erneute standardisierte
Bewertung zu einem
Nutzen-Kosten-Faktor von 1,11 (statt
bisher 1,19) führen und damit auch
unter Zugrundelegung der 2008 von
der KASIG geschätzten Kosten eine
Förderfähigkeit der Maßnahme
Kombilösung ergeben.
Schätzung der Bau- und
Investitionskosten:
Die Gutachter bewerten den
Stadtbahntunnel als ein solide
geplantes und bzgl. der
Investitionskosten realistisch
abgeschätztes Verkehrsprojekt.
Aktuelle Informationen hierzu wird
in wenigen Wochen das tatsächliche
Ausschreibungsergebnis bringen.
Zinsbelastung Stadt:
Nach Beendigung der Bauzeit ist mit
einer Zinsbelastung durch den
Stadtbahntunnel von ca. 6 Mio. €
jährlich zu rechnen.
Vorfinanzierung durch verzögerte
Zahlungen von Bund/Land:
Für jedes Jahr Verspätung bei der
Zuschusszahlung durch den Bund, ist
mit zusätzlichen
Vorfinanzierungs-kosten von ca. 9
Mio. € zu rechnen. Dies ist vor dem Hintergrund zu sehen, dass der Bund
im Bewilligungs-bescheid ausdrücklich
darauf hinweist, dass die Stadt
nicht mit einer zeitnahen Auszahlung
von Fördermitteln rechnen kann.
Abschreibung:
Bei der Ermittlung der Folgekosten
durch Abschreibung ergeben sich
starke Abweichungen zwischen den
Angaben der Stadtverwaltung und dem
Gutachten von Vieregg & Rössler.
Statt den von der Stadtverwaltung
angenommenen 2,2 Millionen € für
Abschreibung ermittelt Vieregg eine
AfA von 5,4 Millionen € jährlich.
Betriebs- und Unterhaltungskosten:
Auch die Betriebs- und
Unterhaltungskosten für den Tunnel
werden von Vieregg & Rössler
deutlich höher eingeschätzt als von
der Stadt. Die Gutachter gehen von
4,4 Mio. € jährlich aus, während die
Stadtverwaltung 2,0 Mio. € jährlich
annimmt.
Folgekosten insgesamt (Zinsen,
Abschreibung, Betrieb/Unterhaltung):
Damit errechnen Vieregg & Rössler
für Zinsen, Abschreibung und
Be-trieb/Unterhaltung mit 15,8 Mio.
€ jährlicher Folgekosten für den
Stadtbahntunnel. Die Stadtverwaltung
geht von „nur“ 10,2 Mio. € jährlich
aus.
Fazit:
Die Investitionen sind
vergleichsweise solide geplant, aber
die Folgekosten werden seitens der
Stadt massiv unterschätzt. Die
Gutachter weisen außerdem auf ein
größeres technisches Problem bei der
Strecken-verzweigung am Marktplatz
hin. Dieses soll im Rahmen eines
Folgeauftrags umfassend untersucht
und dargestellt werden.