Wirtschaft und Arbeit
Bei der nachhaltigen Wirtschaftsförderung stellen wir GRÜNEN uns der Aufgabe
und Verantwortung, die Zielkonflikte zwischen der Förderung der Wirtschaft und Arbeitsplätzen
einerseits und dem Schutz von Menschen und Umwelt andererseits auszuloten. Mit der
Förderung des Einsatzes und der Vermarktung von Photovoltaik, Geothermie, Biogasanlagen,
energieeffizienten Baustoffen und Geräten wollen wir eine Alternative zu umweltschädlicheren
Konkurrenzprodukten etablieren und dabei zugleich Arbeitsplätze in innovativen Branchen
sichern. Ein wichtiges Ziel ist die Schaffung und der
langfristige Erhalt von Arbeits- und Ausbildungsplätzen.
Unterstützung der Handwerksbetriebe:
Sie bilden einen wichtigen Teil der lokalen Wirtschaft, stellen viele Arbeits- und
Ausbildungsplätze. Wir fordern ihre Unterstützung
• durch Förderung ökologischen Bauens und Renovierens (z.B. Wärmedämmung) und die
Installation und Wartung von Anlagen für regenerative Energien;
• durch kleinteilige Gewerke bei städtischen Vergaben;
• durch die Förderung der Zusammenarbeit regionaler Handwerker, um bei großen Projekten
gegen Generalunternehmen bestehen zu können.
Weiche Standortfaktoren - Umweltpolitik:
Karlsruhe hat die zweitschlechteste Luftqualität aller Großstädte Baden-Württembergs.
Ein Großteil der KarlsruherInnen fühlt sich vom Lärm belästigt. Kinderbetreuungsmöglichkeiten
sind noch immer nicht in ausreichendem Maß vorhanden. Wir GRÜNEN wollen eine lebenswerte
Stadt. Nachhaltigkeit in Gesundheits-, Umwelt- und Sozialpolitik gewährleistet nicht
nur unsere zukünftige Lebensqualität, sondern auch langfristigen wirtschaftlichen
Erfolg.
Gleichstellung:
Die Wirtschaftsförderung in der Kommune muss auch die ungleiche Verteilung von Chancen,
Ressourcen und Gehältern, das unterschiedliche Berufswahlverhalten von Frauen und
Männern sowie die häufig unterbrochenen Erwerbslebensläufe von Frauen im Blick haben.
Eine aktive Wirtschaftsförderung von Frauen löst auch positive Beschäftigungsimpulse
aus.
Wirtschaft geht auch ökologisch:
Die Förderung hochwertiger regionaler Produkte und die Sicherung der dezentralen
Versorgung in den Stadtteilen muss weiter verfolgt werden. Bei den Gewerbegebieten
erreicht der „Flächenfraß“ durch Unternehmen stetig neue Höchstwerte. Wir setzen
uns für Flächenrecycling, Verdichtung ökologischer Standards und interkommunale
Gewerbegebiete ein.
Nachhaltige Haushaltspolitik:
Wir GRÜNEN wollen auch beim Haushalt ein nachhaltiges Wirtschaften. Deshalb wollen
wir auf
Dauer die Schulden reduzieren. Wir akzeptieren eine Neuverschuldung für Investitionen
insbesondere in Bildung, Kinderbetreuung und energetische Sanierung. Aber es muss
dabei ein Konzept erarbeitet werden, wie längerfristig ein ausgeglichener Haushalt
erreicht wird.
Prestige- und Großprojekte:
Die Neue Messe macht jedes Jahr Verluste von 12 Mio. €, welche die Stadt zu tragen
hat. Trotz dieser Erfahrung verfolgt die Stadt weitere Großprojekte. Bei der Kombilösung
ist der von der Stadt zu tragende Anteil von 100 auf 173 Mio. € gestiegen.
Für den Neubau des Wildparkstadions sollen 70 Mio. € aus Steuermitteln bezahlt werden.
Der Profisport sollte sich grundsätzlich selbst tragen. Deshalb sollte die Stadt
als Eigentümerin die Kosten der Sanierung tragen und die Mehrkosten für den KSC
begrenzen. Wenn der Profisport höhere Investitionen will, hat er dies selbst oder
durch Sponsoren zu finanzieren. Diese Belastungen dürfen nicht benutzt werden, um
Streichungen bei der Bildung, Kinderbetreuung, Sozialem und der Unterstützung der
Vereine zu begründen. Auch lehnen wir eine pauschale Kürzung aller Haushaltspositionen
ab. Wer derartige Projekte durchzieht, muss konkret aufzeigen, wo er dafür Einsparungen
vornehmen will.
Die Stadt und ihre Töchter:
Die Stadt ist an 37 Gesellschaften beteiligt. Die wichtigsten davon sind Klinikum,
Volkswohnung, KVVH mit Stadtwerken und Verkehrsbetrieben, KMK mit neuer Messe und
ZKM. Die städtischen Gesellschaften sind inzwischen an wirtschaftlicher Bedeutung
und Umsatz größer als die Stadt selbst. Die 940 Mio. € Gesamtschulden verteilen
sich mit 780 Mio. auf die Gesellschaften und mit 160 Mio. auf die Stadt. Wir GRÜNEN
wollen mehr Transparenz in der Arbeit der Gesellschaften. Es darf nicht sein, dass
die Beteiligung der Stadtwerke mit 75 Mio. Euro an dem EnBW-Kohlekraftwerk ohne
öffentliche Diskussion beschlossen wird. Diese Beteiligung lehnen wir ab.
Wir wollen keine weiteren Privatisierungen von kommunalen Aufgaben. Dies betrifft
z. B. Energie, (Ab-) Wasser, Abfall, Schulinfrastruktur und soziale Daseinsfürsorge.
Diese Aufgaben dürfen nicht an private Unternehmen übertragen werden, deren oberstes
Streben die Maximierung des Profits ist. Ebenso wollen wir die weitere Überführung
dieser Aufgaben in städtische Gesellschaften stoppen. Anders sehen wir GRÜNEN dies
bei bestimmten Infrastruktureinrichtungen für Wirtschaft und Verkehr, wie der Neuen
Messe Karlsruhe
oder dem Baden-Airpark. Hier bestehen keine originären öffentlichen Aufgaben, die
die Unterstützung durch viele Millionen € aus Steuergeldern rechtfertigen würden.
Soziale Verantwortung in der Wirtschaft:
Bei der Vergabe von Gewerbeflächen muss die Stadt im Interesse der ArbeitnehmerInnen
darauf achten, dass das anzusiedelnde Unternehmen durch gerechte Bezahlung, die
Errichtung einer Mitarbeitendenvertretung und familienfreundliche Strukturen seine
soziale Verantwortung wahrnimmt. Auch muss sie bei Vergabe von Aufträgen jede geeignete
Maßnahme zur Wahrung dieser Verantwortung ergreifen.