Presse
29. Januar 2010
Nach BUND-Gutachten: GRÜNE mahnen
Überprüfung der Förderfähigkeit der
Kombilösung an
Kritik an Abweichung von Vorgaben für
Standardisierte Bewertungen
Die Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN im
Gemeinderat, Bettina Lisbach, und die
Landtagsabgeordnete Gisela Splett halten
eine gründliche Überprüfung der
Förderfähigkeit der Kombilösung vor
Auftragsvergabe für dringend notwendig.
„Es muss vor Vergabe der
Tunnelbauarbeiten geklärt sein, ob die
Voraussetzungen für die Bundes- und
Landeszuschüsse noch gegeben sind und
das Betriebskonzept überhaupt
realisierbar ist. Sonst begibt sich die
Stadt in unüberschaubare finanzielle
Risiken“, betonen die beiden GRÜNEN
Politikerinnen.
Grund für diesen erneuten Vorstoß sind zum einen ein Schreiben des Innenministeriums, das Abweichungen bei der Nutzenermittlung des Vorhabens von den Vorgaben für Standardisierte Bewertungen belegt (siehe unten). „Das Schreiben des baden-württembergischen Innenministeriums bestätigt, dass die KASIG bei der Ermittlung des durch Reisezeitgewinne erzeugten Nutzens von den Vorgaben des einheitlichen Bewertungsverfahrens abgewichen ist und den mit dem Vorhaben verbundenen Nutzen damit ‘schöngerechnet‘ hat“, so Splett.
Zum anderen werfe das gestern vom BUND vorgestellte Gutachten von Vieregg-Rössler ganz neue Fragen auf. Das Gutachten – ein Folgegutachten der von der GRÜNEN Gemeinderatsfraktion in Auftrag gegebenen Kostenüberprüfung – stellt die Realisierbarkeit des vorgesehenen Betriebskonzepts vollkommen in Frage. Wenn aber weniger Bahnen durch den Tunnel geschickt werden, dann hat das mit Sicherheit Auswirkungen auf den ohnehin knappen Nutzen-Kosten-Faktor des Projekts. Zudem sei offen, ob mit diesem Tunnel die Herstellung einer „schienenfreien“ Fußgängerzone überhaupt noch realistisch sei.
„Wir fordern die KASIG auf, angesichts der Ergebnisse der beiden Vieregg-Gutachten die Konsequenzen zu ziehen und die U-Strab Planung komplett zu über-denken“, so die beiden GRÜNEN-Politikerinnen. „Es ist höchste Zeit, dass auch die Tunnelbefürworter im KASIG-Aufsichtsrat endlich ihren Aufsichtspflichten nach-kommen.“ Alle noch offenen Fragen zum unrealistischen Betriebskonzept, zu den mangelnden Sicherheits-vorkehrungen bei Unfällen im Tunnel, zu den zu niedrig angesetzten Folgekosten und zu den unklaren Fördervoraussetzungen müssen in einem transparenten Prozess ergebnisoffen diskutiert werden. Bevor hier eine Klärung erfolgt ist, halten wir einen Vertragsabschluss zur Vergabe der Tunnelbauarbeiten für gänzlich unverantwortlich.“
Lisbach und Splett betonen außerdem, dass die Kostenschätzung aus dem Jahr offiziell übermittelt wurde. Stattdessen hatte die Stadt erklärt, die Verifizierung der Kostenrechnung erst im Rahmen des Ausschreibungsverfahrens vornehmen und dann erst einen Kostenerhöhungsantrag stellen zu wollen. Dies stellt nach Ansicht der GRÜNEN einen Verstoß gegen die Vorgaben des Zuwendungsentscheids dar; zudem sei unklar, welches Zeitfenster denn überhaupt für die notwendige Überprüfung der Förderwürdigkeit zur Verfügung stehe.
Die GRÜNEN fordern die Stadt außerdem
auf, nicht weiter von einer 20%igen
Bezuschussung des Vorhabens durch das
Land zu sprechen. Vielmehr habe das Land
100 Millionen Euro als
Festkostenzuschuss zugesagt. Bezüglich
einer anteiligen Bezuschussung möglicher
nicht vermeidbarer und jetzt noch nicht
vorhersehbarer Mehrkosten habe
Ministerpräsident Oettinger auch beim
Spatenstich nur die
„Gesprächsbereitschaft“ des Landes
signalisiert. Zudem müsse zwischen
Gesamtkosten und zuschussfähigen Kosten
unterschieden werden: auch ohne weitere
Kostensteigerungen bleiben mindestens 30
% der Gesamtkosten an der Stadt hängen.
Brief von Gisela Splett MdL an das
Innenministerium
Innenministerium an Gisela Splett MdL