Presse
21. Januar 2010
Spatenstich ist eine Farce
"Mit dem ersten Spatenstich für die
U-Strab am Donnerstag bemüht sich
der Oberbürgermeister trotzig, den
Anschein zu erwecken, als sei alles
entschieden", so Johannes Honné,
verkehrspolitischer Sprecher der
GRÜNEN Fraktion im Gemeinderat. Aber
dieser erste Spatenstich sei eine
"sehr virtuelle Veranstaltung."
"Was der Bevölkerung hier als
Spatenstich präsentiert wird, ist im
Grunde nichts als Straßentheater,
auch wenn einige der Hauptdarsteller
das nicht zugeben möchten“, meint
GRÜNEN-Fraktionssprecherin Bettina
Lisbach. „Die Angebote für den
Tunnelbau liegen noch nicht einmal
den Aufsichtsräten der KASIG vor.
Bis jetzt sind die von den Baufirmen
veranschlagten Kosten strengste
Geheimsache. Deshalb kann noch gar
nicht feststehen, ob überhaupt ein
akzeptables Angebot vorliegt. Und
auch die definitiven Förderzusagen
von Bund und Land stehen noch aus.“
Zwar sagt ein Gutachten, das die
Fraktion beim renommierten Münchner
Institut Vieregg & Rössler in
Auftrag gegeben hatte, dass die von
der KASIG geschätzten Baukosten
realistisch sind, während die
Folgekosten viel zu niedrig
geschätzt wurden. Da aber inzwischen
sicher ist, dass Stuttgart 21 gebaut
wird, und dieses Mammut-Projekt eine
zeitliche Überschneidung mit dem Bau
der U-Strab hat, könnten auch die
Baukosten der U-Strab dadurch
deutlich in die Höhe getrieben
werden.
"Wenn der Nutzen-Kosten-Faktor, der
derzeit nur knapp über 1 liegt,
damit deutlich unter 1 fallen würde,
müsste das Verfahren neu überdacht,
vielleicht die Planungen geändert,
möglicherweise auch der Bau ganz
abgesagt werden", ergänzt Honné.
Abgesehen von der Kostenfrage stehen
noch mehrere gerichtliche
Entscheidungen aus: Zum einen über
das Eilverfahren des Bündnisses
"Stoppt das Millionengrab", das mit
einer Beschwerde gegen die Ablehnung
des Bürgerentscheids in die zweite
Instanz geht. Zum anderen über eine
Klage gegen den Bau des
Stadtbahntunnels, die sich dagegen
richtet, dass die Fluchtwege zu
schmal für Rollstühle geplant sind.
Beides sind nach Auffassung der
GRÜNEN gewichtige Gründe für ein
Moratorium. Die Verwaltung darf sie
aber leider aus rechtlicher Sicht
ignorieren, weil diese juristischen
Fragen keine aufschiebende Wirkung
haben.
„Doch auch, wenn Anfang Februar die
Angebote auf dem Tisch liegen und
der Aufsichtsrat sich für eine
Baufirma entscheiden sollte: Es ist
immer noch möglich, dass dann einer
der unterlegenen Anbieter
Widerspruch einlegt. Und damit
könnte sich das ganze
Vergabeverfahren noch sehr lange
hinziehen“, betont Lisbach. „Sollte
dieser Fall eintreffen, ist für die
U-Strab wieder alles offen.“
So finde der erste Spatenstich ohne
Baufirma und nur mit Hilfe der
Stadtwerke statt, die ein paar
Leitungen verlegen. Diese Baustelle
sei eher ein Potemkinsches Dorf.
Wann und ob die U-Strab gebaut wird,
könne heute noch niemand sagen. "Es
ist immer noch möglich, dass der für
800.000 EUR errichtete Aussichtsturm
ein Fanal des Größenwahns wird", so
Johannes Honné.