Presse
25. November 2009
GRÜNE fordern: Innovative
Schulmodelle statt Werkrealschule
„Bildlich gesehen ist die Einführung
der Werkrealschule in Karlsruhe mit
einem organisatorischen Erdrutsch zu
vergleichen! Pädagogisch gibt es
wenig Verbesserungen, dafür aber
viele Probleme und viele ungelöste
Fragen!“
Das ist die Bilanz der
schulpolitischen Sprecherinnen Anne
Segor und Uta van Hoffs nach den im
Gemeinderat beschlossenen
Veränderungen der gesamten
Haupt-schullandschaft.
„Wir müssen diesen Zielkonflikt
aushalten“, sagt Anne Segor ganz
offen. „Einerseits lehnen wir die
Konstruktion der Werkrealschule aus
inhaltlichen und organisatori-schen
Gründen ab. Andererseits musste in
Karlsruhe gehandelt werden!“
Denn abweichend von anderen Städten
gibt es in Karlsruhe noch immer elf
Kleinsthauptschulen, denen nur die
allernotwendigsten Lehrerstunden
zugewiesen werden.
„Wir wollten aus einer schlechten
Vorgabe des Landes noch die beste
Unterrichtssituation für alle
Karlsruher Schülerinnen und Schüler
herausholen“, erläutert Uta van
Hoffs. „Das war trotz des großen
Engagements der Lehrkräfte an den
Kleinsthauptschulen auf Dauer nicht
mehr gewährleistet.“
Positiv an dem jetzt beschlossenen
Konstrukt der Werkrealschule ist
nach Einschätzung der GRÜNEN
immerhin, dass in auslaufenden
Schulen alle Kinder und Jugendlichen
bis zu ihrem Schulabschluss bleiben
können.
Sehr problematisch dagegen werden
vor allem in organisatorischer
Hinsicht die Schulkooperationen
gesehen, bei denen 2 bis 3 Schulen
an unterschiedlichen Standorten zu
einer Werkrealschule zusammengefasst
werden.
Nicht alle diese Kooperationen
werden funktionieren.
Nach Einschätzung der GRÜNEN wird in
vielen Fällen organisatorisch
nachjustiert werden müssen.
Die größten Schwierigkeiten sind
allerdings im pädagogischen Bereich
zu erwarten:
- So steht für Mathe und Deutsch
jetzt weniger Zeit als bei der
„alten“ Hauptschule zur Verfügung –
und gerade die mangelnden
Fähigkeiten in diesen
Kernkompetenzen wurden in der
Vergangenheit von ausbildenden
Betrieben kritisiert.
- Als besonders ungerecht wird der
neu eingeführte Numerus Clausus nach
dem 9. Schuljahr eingeschätzt: „Nur
wer einen Notenquerschnitt von 3,0
erreicht, darf weiterlernen! Alle
anderen fallen durchs Sieb“, stellt
Anne Segor fest. „Mit Sicherheit
werden dies Jugendliche sein, die
sowieso schon wenig Unterstützung
aus ihrem sozialen Umfeld erfahren.
Statt Hilfe und individueller
Förderung sortiert man Kinder und
Jugendliche nach sozialem
Hintergrund.“
Grundsätzlich sind die GRÜNEN davon
überzeugt, dass nicht ein
„Herumbasteln“ am alten ungerechten
Schulsystem die richtige Lösung ist.
„Wir fordern daher – wie seit Jahren
– eine Öffnung des Schulsystems hin
zu einer Basisschule, in der alle
Kinder von Klasse 1 bis 10 gemeinsam
lernen können. Einer inklusiven
Schule, in der jedes Kind nach
seinen individuellen Bedürfnissen
gefördert wird“, bekräftigen Anne
Segor und Uta van Hoffs ihre
Position. „Dafür muss die Stadt
Karlsruhe weiter wie bisher
Innovations-bereitschaft zeigen und
mit Unterstützung des Gemeinderats
Druck auf die verkrustete
Kultusbürokratie in Stuttgart
ausüben.