KARLSRUHER FORUM ETHIK IN RECHT UND TECHNIK E.V.


  Genet(h)ik im Gespräch
Die Grundkurse Biologie und Religion 12 eröffnen ihre Ausstellung
"Alle Macht den Genen" mit einer Podiumsdiskussion

von Katharina Meder, Abitur 2001

 

Unheilbar und schwer Kranke setzen ihre ganze Hoffnung auf die Gentechnik. Denn mit ihr könnte es gelingen, Krankheiten wie Mukoviszidose zu heilen oder zumindest deren Symptome erträglicher zu machen. Doch momentan steckt die Gentechnik noch in den Kinderschuhen. Zugleich branden aber immer wieder öffentliche Diskussionen darüber auf, wie weit der Mensch in das Erbgut eingreifen darf. Vielfach kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch die Verwendung menschlicher Embryonen zu Forschungs-zwecken. Gentechnologie - Fluch oder Verheißung? Oder auch "Alle Macht den Genen?", dieser Frage stellte sich am Dienstag, 7. Mai 2002, ein breitgefächertes Expetenforum: zwei Wissenschaftler, Frau Dr. Weg-Rehmers und Professor Dr. Englert, sowie der Moraltheologe Dr. Käuflein und der am Humboldt bereits bekannte Philosoph und Menschenrechtler Prof. Dr. Paul. Finanziell unterstützt wurde die Veranstaltung vom Förderverein der Schule sowie vom Karlsruher Forum für Ethik in Recht und Technik.

Genet(h)ik im Gespräch
Genet(h)ik im Gespräch

Mit dem Thema auseinander gesetzt hatten sich der Grundkurs Biologie von Herr Janz sowie der Grundkurs katholische Religion von Herr Tinkl. "Doch wir wollen nicht bei den simplifizierenden Medien anfangen, sondern beide Seiten beleuchten", eröffnete Herr Tinkl die Podiumsdiskussion mit Blick auf eine gewohnt reißerische Schlagzeile der "Bild"-Zeitung: "Es gibt ein Killergen". Nacheinander äußerten sich denn auch die Teil-nehmer zunächst zu den positiven Seiten der Genforschung. In der Entdeckung neuer Diagnose- und Therapieverfahren sieht Dr. Weg-Rehmers die Chancen der Gentechnik. Für Professor Englert liegen diese ebenfalls im Bereich der Heilung, "denn ein Gendefekt ist unvereinbar mit langem und leidlosem Leben". Auch Dr. Käuflein bewertet die Gentechnik auf dem Gebiet der Pharmazie und Therapie grundsätzlich positiv. Dass es zur Gentechnik keine Alternative gibt, darin ist sich Professor Paul sicher. Zudem glaube er nicht, dass es nicht gelingt, sehr gefährliche Entwicklungen in den Griff zu bekommen. "In ferner Zukunft wird es ein System der checks and balances geben, das die Integrität menschlichen Lebens gewahrt", ist sich Paul sicher.



Einen breiten Raum nahm das Thema Forschen an menschlichen Embryos ein. Eine klaren Meinung vertritt in diesem Punkt Professor Englert. Er hält es nicht für unethisch, mit Stammzellen zu arbeiten, sondern mit ihnen nicht zu arbeiten. Bislang arbeitet die Forschung vorwiegend mit Mäusezellen, die auch bei Transplantationen eingesetzt werden. "Diese sind voller Mäuseviren, die auf den Menschen übergehen können", gibt Englert zu bedenken. Zudem müsse man mit der weltweiten Forschung mithalten. Tausende Embryozellen würden weggeworfen. Deshalb sei es doch besser, an diesen zu forschen. Dagegen hält Dr. Käuflein, daß es sich bei dem Ausdruck Embryonenforschung um einen Euphemismus handele. Denn eigentlich ginge es doch um die künstliche Herstellung und Vernichtung menschlichen Lebens.

Genet(h)ik im Gespräch
Genet(h)ik im Gespräch

Doch wann beginnt menschliches Leben überhaupt? Mit der Verschmelzung von Samen und Eizelle? Ab einem bestimmten Entwicklungssta-dium? Für Professor Englert liegen auch hier die Fakten auf der Hand: "Einen Unterschied zwischen Embryo und mir als Menschen gibt es: die größere Würde steht mir zu als dem Zellhaufen." Die Stufen, wann ein Mensch Mensch wird, seien biologisch definierbar.


Auch der Philosoph Paul stimmt darin teilweise überein. Zudem wirft er die Frage auf, ob bei fehlender Alternative nicht die Embryonenforschung das "kleinere Übel" sei. Interessant an dieser Stelle auch der Einwand von Frau Dr. Weg-Rehmers, wo bei aller Diskussion die Würde der Eizellenspenderin bliebe. Schließlich sei eine Eizellenspende nicht vergleichbar mit einer Blutspende. Ein Import von Eizellen aus Dritte-Welt-Ländern - und damit verbunden die Ausbeutung der Frauen dort - wären unmittelbare Folge von "industrialisierter" Stammzellenforschung. Dagegen hält Englert, dass bereits viele eingefrorene, konservierte Embryos existierten, die zunächst zu Forschungszwecken verwendet werden könnten. Außerdem seien Werte und Ethik einer Gesellschaft stetigem Wandel unterworfen. Auf die wieder aufgegriffene Frage: "Ist ein Embryo nun menschliches Leben oder nicht?" antwortet Englert eindeutig: "Nein, da ein Embryo in frühem Stadium nicht von einem Primaten oder Schwein unterscheidbar ist."

Insgesamt wurde an der Diskussion besonders deutlich, wie komplex, vielschichtig und vor allem sensibel dieses Thema ist. Bei allem Segen, den die Genforschung zu bringen verspricht, bleibt die Frage nach der Ethik. Ob ein Embryo nun tatsächlich schon Menschenwürde besitzt oder nicht, jedenfalls ist sicher, dass in ihm das Potential steckt, aus dem jeder Einzelne von uns erwachsen ist. Würde eigentlich Frau Weg-Rehmers an Embryonen forschen? Nein, das lehnt sie sogleich ab.
Anbei sei bemerkt: Frau Weg-Rehmers war zum damaligen Zeitpunkt schwanger.


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