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Kultur: Leuchtende Heimatkunst im Museum beim Markt

Heimat ist eine "Hure"

(Lä) Gut, heimatliche Gefühle kommen da nicht auf. Heimelige Schwarzwaldidylle? Keine Spur. Der als Shootingstar der südwestdeutschen Kunstszene gepriesene Stefan Strumbel hat da seine ganz eigene grell-coole Sichtweise, und für die findet er Abnehmer. In seiner Nebenstelle im Museum beim Markt gestattet jetzt das Badische Landesmuseum Einblicke in das Gesamtwerk des Künstlers, der die Kuckucksuhr zu seiner Signatur gemacht hat.

Heimat, ein Begriff den viele Sprachen gar nicht kennen, vermittle die Geborgenheit eines Mutterschoßes, sagt Strumbel. Der Mensch brauche sie, auch wenn er damit nur ein vordergründiges Idyll zu verbinden scheint. Die Tourismusindustrie wisse das, kommerzialisiere "Heimat" und schicke den Begriff als Hure auf den Strich.


Nun ist jenes Heimatgefühl auch in der Kunst angekommen, beliebig ausschlachtbar als Themenvorlage. Das mit Liebe, Glück und Geborgenheit belegte Gefühl von "Heimat" lasse sich für kein Geld der Welt kaufen, weiß Strumbel. Geld verdienen aber schon.

Aggressiv, polemisch, zynisch, emotional nähert sich der frühere Graffitikünstler seinem Thema "Holy Heimat". Statt mit der Spraydose macht er mit schrillen Neonfarben auf seine Statements aufmerksam.

Der tropfende Lack an einer Kuckucksuhr steht für die Herkunft als Sprüher. "What the fuck is heimat?" leuchtet von einer Fassadeninstallation in den schweinchen-rosa Raum. Trachtenmädels posieren in Guerillakluft mit Maschinengewehren, und auf einem Sprungbrett macht sich ein Jesus bereit zum Abtauchen - in die Heimat?

In einem düsteren Kirchenschiff hält eine Madonna mit Yankee-Basecap auf dem Kopf ein farbiges Kind im Arm, im Beichtstuhl ist das Bild einer nackten, tätowierten "Heimathure" zu sehen. Da passt es, dass selbst die Sitzbänke im inszenierten Kirchenraum Schieflage haben: Für ein Auf und Ab der Gefühle.




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