Wissenschaft: Werden Brillen bald überflüssig?KIT-Schwerpunkt Anthropomatik und Robotik stellte sich im Rathaus vor
(res) Dienstagabend war der Bürgersaal nahezu komplett besetzt, denn im Rahmen der Reihe "KIT im Rathaus" stellte sich der KIT-Schwerpunkt Anthropomatik und Robotik vor. "Das Thema fasziniert die Menschen schon lange", stellte Bürgermeister Wolfram Jäger fest, der die vielen Interessierten im Namen der Stadt begrüßte. Jäger freute sich, dass "das Karlsruher Institut für Technologie der Öffentlichkeit die Türe zur Wissenschaft öffnet und Einblicke in seine Arbeit ermöglicht." Professor Georg Bretthauer vom Institut für Angewandte Informatik/Automatisierungstechnik stellte beispielsweise ein künstliches Akkomodationssystem vor, das irgendwann einmal Brillen überflüssig machen könnte, so seine Vision. Bislang können - etwa bei grauem Star - nur starre Linsen implantiert werden. Anders bei seinem Akkomodationssystem: Die künstliche Ersatzlinse mit einem Durchmesser von 10 mm soll elektrisch bewegt werden können und rund 30 Jahre halten. Ein erstes Funktionsmodell soll es, so Bretthauer, im Jahr 2014 geben. Nichts für Zartbesaitete waren die Fotos, die der Wissenschaftler zeigte, als er das nächste Projekt vorstellte. Denn die so genannte "Adaptive Nervenprothese", die lebendes und totes Gewebe zusammenbringt, wird zu Versuchen in den Ischiasnerv von Schweinen eingesetzt. Und auch Fotos von Rückenmarksprothesen bei Kaninchen gab es zu sehen. Weniger blutig ging es dann bei Prof. Tanja Schultz vom Institut für Anthropomatik zu. Sie stellte lautlose Kommunikation per Elektromyographie vor. Hierbei werden die Muskelbewegungen beim Sprechen durch auf die Haut aufgeklebte Sensoren erfasst und in Text oder akustische Signale umgewandelt. Zum Einsatz kommen könnte dieses System etwa in Call Centern, um den Lärm zu reduzieren, bei der Polizei, um unauffällig zu kommunizieren, aber auch als Stimmersatz für Menschen, die ihre Stimmbänder nicht mehr benutzen können. Prof. Schultz kann sich vorstellen, dass die Elektroden irgendwann nicht mehr aufgeklebt werden müssen, sondern als Arrays in mobile Endgeräte integriert sind, die man sich dann zum Erfassen der Muskelbewegungen nur noch an die Wange halten muss. Den KIT-Schwerpunkt Anthropomatik und Robotik im Allgemeinen stellte sein Sprecher Prof. Rüdiger Dillmann vor. Er erinnerte daran, dass im Bereich der Robotik "bereits vor 50 Jahren in Karlsruhe Pionierarbeit geleistet wurde." Das Kunstwort "Anthropomatik" sei von Karlsruher Informatikprofessoren vor rund zehn Jahren als die Wissenschaft der Symbiose zwischen Mensch und Maschine geprägt worden. Forschungsfelder des KIT-Schwerpunkts, in dem Wissenschaftler aus den Bereichen Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Sozialwissenschaften zusammenarbeiten, sind unter anderem: Bild- und Sprachverstehen, Mensch-Maschine-Schnittstellen, Humanoide Robotik und Medizinrobotik. KIT-Chief Science Officer Prof. Wilfried Juling kündigte an, dass das KIT mit der Universität Heidelberg (Medizin und Lebenswissenschaften) eine institutionalisierte Partnerschaft eingehen wird.
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