Brunnen: Oben thront der Krautkopf
(maf) Dem Karlsruher Stadtrat schwebte auf dem Gutenbergplatz in der südlichen Weststadt ein "monumentaler Marktbrunnen" vor und so lautete denn auch im Jahre 1904 dessen einhelliger Beschluss. Den Zuschlag für die Konzeption erhielt Architekturprofessor Friedrich Ratzel, der Bau und Fertigstellung (1908) des Brunnens allerdings nicht mehr miterlebte, da er sich - schwer erkrankt - mit nur 37 Jahren das Leben nahm. Der Wasserspender war in vielerlei Hinsicht ungewöhnlich. Finanziell gesehen sollte er mit 60 000 Mark Gesamtkosten für damalige Verhältnisse ziemlich teuer werden. Und auch seine Gestaltung war besonders, denn das steinerne, von einer metallenen "Kuppel" aus Krautkopf und Metallrippen gekrönte Bauwerk setzte sich aus drei übereinander geordneten Wasserbecken zusammen. Vor allem das obere Bassin hat dabei seinen Reiz. Neun niedliche Putten umtanzen dessen Rand. Auf den Schultern tragen sie als typisches Marktmotiv Girlanden aus Früchten und Blumen, zu ihren Füßen finden sich eine Gans, ein Lamm, Würste sowie ein Korb mit Brötchen. "Als Kind bin ich noch im Brunnen geschwommen", berichtet Oberbürgermeister Heinz Fenrich in dem Büchlein "Karlsruher Brunnengeschichten" von unbeschwerten Tagen und davon, wie er "über die breiten Treppen" hinab ins oktogonale Wasserbecken stieg, "das von Steinpfosten und Begrenzungsstangen eingerahmt war" und dessen Wasserspiegel deutlich unterhalb des Bodenniveaus lag. In seiner Erinnerung allerdings sieht er den Krautkopfbrunnen jedoch ohne dessen Kuppel, denn "im Zweiten Weltkrieg hatte man das Metall trotz Bürgerprotests eingeschmolzen". 1962 gelang es dem Bürgerverein der Weststadt, den Brunnen zu rekonstruieren und ihm den fehlenden "Kopfputz" wieder aufzusetzen, aber das alte Erscheinungsbild hatte er nicht mehr. Weil das äußere Becken immer stark verschmutzt war, machte die Stadt kurzen Prozess und schüttete es zu. An dessen Stelle legte sie Blumenbeete an. Heute wie damals ist der Krautkopfbrunnen das Wahrzeichen der Weststadt - er ziert auch das Wappen des Stadtteils und ist quirliger Mittelpunkt des von Linden eingerahmten Gutenbergplatzes. Mittlerweile gruppieren sich Terrassencafés um ihn herum. Drei Mal pro Woche findet ein Wochenmarkt statt, der sein Publikum nicht nur wegen der frischen Produkte, sondern auch wegen seines mediterranen Flairs anzieht.
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