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Geschichte: Holocaust-Gedenktag zu jüdischem Kinderheim Izieu

Bilder gingen unter die Haut

(erg) Am 27. Januar 1945 befreiten Soldaten der Rote Armee das nationalsozialistische Vernichtungslager Auschwitz. Bundespräsident Roman Herzog erklärte 1996 den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Seit 2005 ist der Tag auch für die Vereinten Nationen der Holocaust-Gedenktag.

Alljährlich veranstaltet die Stadt Karlsruhe Feiern zur Erinnerung an die Gräueltaten des nazistischen Regimes und zum Gedenken an die Opfer - die Toten wie die Überlebenden. Thema war in diesem Jahr ein jüdisches Kinderheim im ostfranzösischen Ort Izieu, in dem auch der in Karlsruhe geborene und seit 1988 stets tätige Zeitzeuge Paul Niedermann für kurze Zeit untergekommen war, bis er in die Schweiz geschmuggelt werden konnte.

Die Leiterin der Gedenkstätte "Maison d'Izieu", Kathel Houzé, schilderte das Leben in dem Heim, das 1944 von den Nazis gestürmt wurde. Alle 44 Kinder, die dann noch im Heim waren, sowie ihre Lehrer und Erzieher wurden in die Vernichtungslager im Osten deportiert und dort ermordet.

Wenige Tage vor der Razzia entstanden Fotos von allen Kindern - fröhlich und unbeschwert spielend. Diese Bilder gingen den Besuchern der Veranstaltung im Ständehaussaal unter die Haut.

Kathel Houzé berichtete auch von dem Lager Rivesaltes in den Ostpyrenäen. Dorthin kamen Gefangene aus dem Lager Gurs, als es überfüllt war. In Gurs waren mehr als 6.000 Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland interniert, unter ihnen knapp 1.000 aus Karlsruhe, auch Paul Niedermann. Wenige überlebten.

Niedermann selbst schilderte an dem Abend, wie es ihm ab 1988 plötzlich möglich war, über seine Erlebnisse zu berichten, nachdem ihm der Staatsanwalt im Lyoner Prozess gegen Klaus Barbie als Zeugen alles heraus gekitzelt hatte.

"Das war meine Therapie", sagt Niedermann noch heute. Seither steht der mittlerweile 82-Jährige in Deutschland und Frankreich und bis vor einiger Zeit auch in den USA als Zeitzeuge zur Verfügung. Derzeit entsteht beim Stadtarchiv ein Buch mit Briefen, die Niedermanns Familie aus den Lagern geschrieben hat.

OB Heinz Fenrich eröffnete zugleich eine Ausstellung des Stadtarchivs Mannheim über das Heim in Izieu. Sie schildert den Weg junger Mannheimer Juden über Izieu nach Auschwitz und ist noch bis zum 27. März zu den üblichen Öffnungszeiten der Stadtbibliothek zu sehen.




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