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Kultur: Ein Eulenspiegel des Federstrichs

Adolph Schroedter: Humor und Poesie im Biedermeier / Städtische Galerie

(Lä) Adolph Schroedter - noch nie von ihm gehört? Macht nichts. Einer breiten Öffentlichkeit war der Zeichner und Maler aus der Zeit des Biedermeiers jenseits von Karlsruhe, Düsseldorf und Frankfurt kaum bekannt. Nicht, weil Schroedter ein biederer "Herr Meier" war - ganz im Gegenteil, wie jetzt eine Retrospektive in der Städtischen Galerie belegt. Mit fast 150 Exponaten erinnert das städtische Museum an einen zu Unrecht vergessenen Künstler, der mit Humor und Poesie Szenen aus Alltag, Theater, Literatur und Politik federleicht zu Papier brachte.

Bissig sind seine politischen Blätter, in denen er sich 1848 bis 1854 der fiktiven Figur des Abgeordneten Herrn Piepmeyer bedient. In filigranen, mit Texten unterlegten Zeichnungen persifliert Schroedter während seiner Zeit in Frankfurt Politiker der Nationalversammlung, entlarvt sie als geltungssüchtige Gecken, als die Herren "Ehrenkäs" und um das eigene Wohl bemühte Lügenbarone und frühe Wendehälschen: Kleine Bildergeschichten als erste Vorläufer des Comics, die dem Till Eulenspiegel des Federstrichs 1859 eine Professur für Freihandzeichnen und Ornamentik am Polytechnikum Karlsruhe eintrugen. 14 Jahre später geht der an der Oder geborene, gelernte Kupferstecher in den Ruhestand. 1875 stirbt er im Alter von 70 Jahren.

Wer in der Städtischen Galerie sich einer Führungen anschließt erfährt, dass der vielseitig begabte zeichnende Schelm kritisch, witzig, ideenreich und manchmal auch mit Selbstironie das Zeichen- und Malgerät führte: So lässt er auf einem weihnachtlichen Wunschzettel bunte Farbtuben Hand in Hand tanzen. Mitte des 19. Jahrhunderts positioniert er damals gerne gekaufte Bilder von Menschgruppen vor Güllewagen und Mehlkarren. Anerkennung und den Titel "König der Arabeske" brachte ihm 1831 die Zeichnung "Der Traum von der Flasche" ein. Sich in einem Glas knäulende Kobolde, Hexen und andere groteske Figuren belegen Schoedters Beschäftigung mit Bosch und Brueghel. Das A als Flaschenform und die als S geschwungene Ornamentik in der auch "Der Propfenzieher" genannten Meisterleistung des 26-jährigen lassen den Bezug zu einem bemerkenswerten Signet und Namensmonogramm in der Kunstgeschichte erkennen: Die buchstabengroßen Zeichnungen in Schroedters Signaturen zeigen nicht nur einen Korkenzieher, sie feiern das genussreiche Verhältnis des Multikünstlers zum Rebensaft.

Nicht minder ausgeprägt war Adolph Schroedters Interesse für Theater und Literatur. Er illustrierte Szenen aus Märchen oder setzte literarische Figuren persiflierend-ironisch in Szene. Der tragikkomische "Don Quijote" oder der listig-verschlagene Kumpane Falstaff waren Lieblingscharaktere, die den Genremaler zu immer neuen Interpretationen anregten. Karikaturisten greifen heute noch gerne auf die Wilhelm Busch-artigen Figuren von Schroedter zurück. Und so darf der zeichnende Wanderer zwischen Biedermeier und Romantik, lächerlich Absurdem und humorig Kuriosem für sich in Anspruch nehmen: Man glaubt ihn nicht zu kennen, und kennt ihn doch.




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