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Geschichte: Vor 225 Jahren Museumsgesellschaft gegründet

"Bilden von Geist und gutem Ton" / Jahre nach Brand aufgelöst

(vs) "Der Zweck der Verbindung ist: schöne Bildung des Geistes und Geschmacks, auch den guten Ton geselliger Freude zu befördern, und beydes im Kreise solcher Gebildeten zu geniessen." So umrissen frühe Statuten der Karlsruher Lesegesellschaft (1808 in "Museum" umbenannt) den Zweck der am 3. Dezember 1784 gegründeten Vereinigung Karlsruher Bürger.

Weder Herkunft, Stand oder Rang sollten ein Kriterium für die Aufnahme sein. Die Mitglieder des Museums spiegelten die Karlsruher Gesellschaftsschichten wider, die sich eine Mitgliedschaft leisten konnten. Höhere Beamte und Offiziere dominierten - wie in einer Residenzstadt nicht anders zu erwarten - die Gesellschaft, daneben finden sich 1814 einige wenige Künstler und Kaufleute, vereinzelt auch Apotheker, Architekten, Bankiers oder Rechtsanwälte. Auch Frauen konnten Mitglied werden, 1845 betrug ihr Anteil über zehn Prozent.

Das Protektorat übernahm der Landesherr. Sowohl ihm, dem hinsichtlich der Entwicklung seines Landes an einer Hebung des Bildungsniveaus gelegen war, als auch den Karlsruher Bürgern, für die Bildung ein Mittel des gesellschaftlichen Aufstiegs war, brachte die Gesellschaft Vorteile.

So hatte der Verein um 1790 bereits etwa 200 Mitglieder, ihre Zahl wuchs bis 1815 auf über 400, bei damals 15.000 Einwohnern. Die hohe Mitgliederzahl und die reichlich fließenden Mitgliederbeiträge erlaubten es, 1814 ein eigenes neues Gebäude, einen Weinbrenner-Bau, in der Kaiserstraße, Ecke Ritterstraße zu beziehen.

Dort gab es eine große Bibliothek, in der zahlreiche Zeitschriften gehalten wurden, und die schwerpunktmäßig deutsche Literatur und Sachbücher bereit hielt. Für das gesellige Beisammensein standen verschiedene Konversations- und Spielzimmer zur Verfügung, für größere Veranstaltungen ein Ballsaal.

Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach der Reichsgründung begann der Abstieg der Museumsgesellschaft. Das aufstrebende Wirtschaftsbürgertum organisierte sich in anderen Vereinen oder repräsentierte in Privathäusern, die alten Eliten der Beamten und Offiziere verloren an Bedeutung. Zwar gab es vor dem Ersten Weltkrieg Reformversuche, doch ein Brand, der das Museumsgebäude 1918 in Schutt und Asche legte, leitete den endgültigen Niedergang ein. Ein eigenes neues Gebäude konnte nicht mehr erworben werden, 1940 löste sich die Gesellschaft auf.




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