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Nahverkehr: Europaplatz barrierefrei

Pilotversuch mit Einstieghilfe / bei Bedarf halten Bahnen zwei Mal

(maf) Die Karlsruher Verkehrsbetriebe machen sich für weniger mobile und behinderte Bürgerinnen und Bürger stark. Nach dem barrierefreien Umbau der Straßenbahnhaltestelle Herrenstraße, der Einführung eines Liniennetzplans für sehbehinderte und blinde Menschen, halten Bahnen an der Doppelhaltestelle "Europaplatz / Postgalerie" auf Wunsch von Fahrgästen mit Handicaps nun zwei Mal.

Wer schlecht sieht, im Rollstuhl sitzt oder auf eine Gehhilfe angewiesen ist, stellt sich auf der nördlichen Seite des Europaplatzes nahe der Douglasstraße auf ein helles, mit Noppen optisch abgesetztes Quadrat im Pflaster und signalisiert dem Fahrpersonal damit, dass er einsteigen möchte und möglicherweise auch Hilfe braucht.

In der Vergangenheit hatte es gelegentlich Missverständnisse gegeben. Denn an einer mit "H H" gekennzeichneten Doppelhaltestelle gelten andere Spielregeln als bei einfachen Stopps. Es kommt vor, dass hintereinander stehende Bahnen Passagiere gleichzeitig ein- und aussteigen lassen. Nach dem Schließen der Türen kann die hintere Bahn den vorderen Teil der Haltstelle durchfahren, ohne erneut anzuhalten.

Irritiert waren vor allem Menschen, die behindert oder schlecht zu Fuß sind. Oft gelangten sie nicht schnell genug zu ihrer Wunschbahn und mussten sie ziehen lassen. Das soll sich künftig ändern. Mobilitätseingeschränkte Passagiere, die auf dem gekennzeichneten Feld stehen, haben gute Karten. Wichtig ist der direkte Blickkontakt mit Fahrerinnen und Fahrer, die angehalten sind, besonders auf den neuen Stopp-Punkt zu achten.

Einen Versuch sei es wert, findet VBK-Geschäftsführer Dr. Walter Casazza, der die "einfache, pfiffige und dem Zweck äußerst dienliche" Idee importiert hat und die Wirkung dieser in der Fachsprache "Aufmerksamkeitsfeld" genannten Fläche sechs Monate lang ausprobieren möchte.

Eine Gebrauchsanweisung oder gar Hinweisschilder gibt es nicht - selbsterklärend müsse eine solche Neuerung sein, so Casazza. Für ihn ist die kleine Extra-Haltestelle so oder so ein Beitrag zum besseren Miteinander und Verständnis.

Ein Ziel, für das sich auch die städtische Behindertenkoordinatorin Martina Warth-Loos seit vielen Jahren einsetzt. Sie informiert den Behindertenbeirat über die Neuerung. Dessen Mitglieder fungieren wiederum als Multiplikatoren. Und sie fragt nach der Pilotphase, welche Erfahrungen mobilitätseingeschränkte Menschen mit dem Service gemacht haben.

Ganz oben auf der gemeinsamen Agenda von Stadt, Behindertenbeirat und VBK steht auch der behindertengerechte Umbau des Hauptbahnhofs. Wenn das geschafft sei "feiern wir", so Warth-Loos und Casazza unisono, dann gibt es endlich eine "durchgängige, barrierefreie Wegekette in die Innenstadt".




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