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Geschichte: Bei Holocaust-Veranstaltung Wohnungslosen gedacht

Alljährlich andere Gruppe von Nazi-Opfern Thema

(erg) Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Bundespräsident Roman Herzog rief den 27. Januar 1996 zum Holocaust-Gedenktag aus, seit 2005 ist diese auch der internationale, von den Vereinten Nationen so bestimmte Tag zum Gedenken an die nationalsozialistischen Untaten.

Auch in Karlsruhe gibt es alljährlich an diesem Tag Gedenkveranstaltungen. Direkt am Dienstag, 27. Januar, berichtete die Leiterin des Durlacher Pfinzgaumuseums, Dr. Anke Mührenberg, darüber, wie sich jüdisches Leben über die Jahrhunderte in Grötzingen und Durlach entwickelte, bis hin zur Deportation 1940 ins südfranzösische Lager Gurs.

Zur offiziellen Veranstaltung der Stadt Karlsruhe kam der Kasseler Professor Dr. Wolfgang Ayaß am Mittwochabend in die Erinnerungsstätte im Ständehaus. Das Stadtarchiv, die Sozial- und Jugendbehörde und der Verein SOZPÄDAL zeigen dort bis zum 14. Februar die Ausstellung "Wohnungslose im Nationalsozialismus" der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnsitzlosenhilfe, die Ayaß im Wesentlichen gestaltet hat.

Die Karlsruher Veranstalter haben die Schau um lokale Aspekte angereichert. Diese Tafeln - unter anderem mit einer "under-cover"-Reportage einer Nacht in einer Karlsruher Wanderherberge kurz vor der Nazi-Herrschaft - stehen in der Rotunde im Erdgeschoss, die sonstige Ausstellung im zweiten Untergeschoss.

OB Heinz Fenrich wies in seiner Begrüßung darauf hin, dass sich Karlsruhe an diesem Tag stets einer bestimmten Opfergruppe erinnert. Diesmal geht es um Opfer, die auch heute noch weitgehend nicht als solche anerkannt werden und die auch kaum Entschädigungszahlungen erhalten hatte. Ayaß bestätigte dies.

Der Gastredner bedankt sich zunächst dafür, dass die Ausstellung nach rund 50 Stationen zum ersten Mal vom Stadtoberhaupt eröffnet wurde und dass örtliche Veranstalter erstmals lokale Ergänzungen eingebracht haben.

Er berichtete darüber, dass zwischen 1933 und 1938 mehrere reichsweite Razzien gegen "Asoziale" durchgeführt wurden, wobei es allerdings nie eine gültige und abschließende Definition dieses Begriffes gegeben hat. Bettler, Landstreicher, Alkoholkranke, Prostituierte "und andere" seien Asoziale gewesen. Es blieb letztlich der Willkür den Beamten der Gestapo und vor allem der Kriminalpolizei überlassen, festzulegen, wer asozial war.

Nach kurzer Haft drohte den Betreffenden Einweisung in Arbeitshäuser. Dies galt bereits seit 1871, allerdings haben die Nazis die Zeitbegrenzung auf zwei Jahre abgeschafft, was in vielen Fällen lebenslänglich gleich kam. Bald saßen die Asozialen aber in den KZ, überfüllten diese Lager sogar. Bis zu 10.000 Opfer dieser Art saßen in den KZs, stellten zeitweise sogar die Mehrzahl der KZ-Insassen.




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Stadt Karlsruhe 2009 - Inhalt: Presse- und Informationsamt - Web: Medienbüro