Zur Startseite Karlsruhe: StadtZeitung   Suche
 

Übersicht Weiterempfehlen

 

Gemeinderat: Mehrheit gegen Mittelteil der Nordtangente

Verweis in Kommission / Um "Hängebauch" abgespeckt

(rie) Der Hängebauch ist Verkehrsgeschichte: Die Mehrheit im Gemeinderat sprach sich am Dienstag dafür aus, den mittleren Abschnitt der Nordtangente zwischen B 36 und Theodor-Heuss-Allee nicht weiter zu verfolgen. Auch wenn der Gemeinderatsbeschluss noch aussteht, denn OB Heinz Fenrich verwies das Thema zur weiteren Beratung in die Nordtangentenkommission, so machten die Statements dennoch deutlich, dass die komplette Trasse praktisch vom Tisch ist.

Der CDU-Antrag - die Fraktion hält als einzige an der kompletten Nordtangente fest -, konkrete Planungen für den Mittelteil zu erstellen, wurde abgelehnt. Vor allem beim Westabschnitt zwischen zweiter Rheinbrücke und B 36 gingen die Meinungen über die Notwendigkeit auseinander. Konsens beim Ostabschnitt war die Stadtumfahrung Hagsfeld mit Ausbau zwischen Elfmorgenbruchstraße und Haid-und-Neu-Straße.

Anträge der Fraktionen wie auch OB Fenrich in seiner Rede zur Einbringung des Haushaltsentwurfs hatten Bewegung in die seit Jahren festgefahrene Diskussion gebracht.

OB-Blick "auf das Machbare"

Drei Gründe nannte OB Fenrich eingangs, weshalb er "mit Blick auf das Machbare" vorgeschlagen hatte, mit dem Verzicht auf den Tangente-Mittelteil einen Weg aus der politischen Blockade zu suchen. Zum einen gehe an der zweiten Rheinbrücke kein Weg vorbei, zum anderen werde die Frage der Entlastung immer akuter und schließlich greife für die Tangenten-Abschnitte im Westen und Osten der Stadt möglicherweise das zweite Konjunkturprogramm des Bundes.

Für das Verbindungsstück zwischen L 560 und Autobahnanschluss Karlsruhe-Nord/B 10 will die Stadt das Land als Straßenbaulastträger in die Pflicht nehmen mit dem Argument, hier die Landesstraße ans überörtliche Verkehrsnetz anzuschließen. Denn derzeit "läuft die L 560 auf die Stadt zu und versickert dann." Im Westen strebe man den Lückenschluss zwischen neuer Rheinbrücke und B 36 mit dem Bund als Straßenbaulastträger an. Mit Bund und Land wird die Stadt Gespräche führen.

CDU kämpft weiter für Gesamt-Tangente

Nur mit einer Ost-West-Verbindung würde die Gesamtstadt entlastet. Nur so könnten die Potenziale des hiesigen Wirtschaftsstandorts realisiert werden, verkämpften sich CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Luczak-Schwarz und Parteikollege Ingo Wellenreuther für die Gesamtmaßnahme. Für die konkrete Planung des Mittelteils spreche allein schon, dass nur eine schlüssige Verbundplanung Mittel für den planfestgestellen Teil bis zur Theodor-Heuss-Allee freisetze. Deshalb sei der Verzicht auf die durchgehende Tangente kontraproduktiv und falsch.

Die Verwirklichung der gesamten Trasse sehe die CDU langfristig nach wie vor als effektivere und nachhaltigere Maßnahme an, angesichts der Mehrheiten im Plenum trage sie aber die "kleinere Lösung" mit, da mit den Lückenschlüssen im Osten und Westen vor allem für die besonders stark belasteten Stadtteile Hagsfeld und Knielingen eine Entlastung zu erreichen sei.

"Kreuz- und Quer-Fahrerei"

Die Planung mit der Hängebauchvariante sei eine "Kreuz- und Quer-Fahrerei" und daher keine Bundesfernstraße im eigentlichen Sinne, "weshalb der Bund dies nie zahlen wird", war SPD-Stadtrat Dr. Heinrich Maul überzeugt. Der "wortreichen Beschwörung der Nordtangente" durch die CDU hielt SPD-Fraktionschefin Doris Baitinger entgegen, man wolle keine die Stadt durchschneidende Straße.

Da ihre Partei schon immer gegen die zweite Rheinbrücke war und "die Knielinger keine weitere Straße wollen", sagen die Sozialdemokraten Nein zum Westteil. Mit einem zweistreifigen Ostabschnitt - zunächst das geplante und beschlossene Stück bis zur Haid-und-Neu-Straße, "damit es schnell geht", wolle man die Probleme für Hagsfeld lösen. Im Blick hat die SPD die Weiterführung bis zur Theodor-Heuss-Allee.

Keine Autobahnachse durch die Stadt

Seit jeher hätten die Grünen gegen die "Autobahnachse durch die Stadt gekämpft", so GRÜNE-Stadtrat Tim Wirth. Die Südumfahrung Hagsfeld sei jedoch erforderlich - als zweistreifige kommunale Straße, definitiv nur bis zur Haid-und-Neu-Straße und nicht weiter bis zur Theodor-Heuss-Allee. Ein neuer Bebauungsplan soll den bestehenden Bebauungsplan ablösen, der den vierstreifigen Ausbau bis zur Theodor-Heuss-Allee vorsieht.

Rintheim und Hagsfeld entlasten

Vehement sprach sich FDP/Aufbruch-Fraktionschefin Rita Fromm gegen ein neues Planverfahren aus. Mit bestehendem Baurecht müssten die Trasse bis zur Haid-und-Neu-Straße gebaut und Rintheim und Hagsfeld endlich vom Verkehr und Straßenlärm entlastet werden. "Wenn die gegen den Willen der FDP-Fraktion geplante zweite Rheinbrücke kommt - und so sieht es derzeit aus - ist ein Lückenschluss bis zur B 36 mit dem Bund als Baulastträger zu verhandeln." Unverantwortlich sei es, den Verkehr dieser Brücke allein auf der Südtangente laufen zu lassen.

Für die KAL-Fraktion, die mit der Straße bis zur Haid-und-Neu-Straße nun die "Südspange Hagsfeld" kommen sah, für die sie sich seit langem anstelle der Nordtangente-Ost eingesetzt hatte, betonte Stadtrat Dr. Eberhard Fischer nochmals das Nein zur zweiten Rheinbrücke, mit der der Verkehr der Region über den dichtesten Bereich abwickelt werde.




Übersicht Weiterempfehlen

Stadt Karlsruhe 2009 - Inhalt: Presse- und Informationsamt - Web: Medienbüro