Geschichte: Mit Wasser aus dem Jordan getauftVor 150 Jahren kam Friedrich II., Badens letzter Großherzog, zur Welt
101 Kanonenschüsse verkündeten der Karlsruher Bevölkerung das Ereignis, die Stadt wurde mit Fahnen geschmückt und abends wurden die Häuser festlich beleuchtet. Aus Baden-Baden reiste der Prinz von Preußen, der spätere Kaiser Wilhelm I., mit seiner Frau an, um seinem Enkel einen ersten Besuch abzustatten. Besondere Bedeutung gewann der Tag für die Teilnehmer der Revolution von 1848/49, denn Großherzog Friedrich I. verkündete aus Anlass der Geburt des Thronfolgers eine weitgehende Amnestie für die am Aufstand Beteiligten. Wenige Tage später veranstaltete der Elisabethenverein zur Feier des Ereignisses ein Kinderfest, zu dem über 150 vom Verein unterstützte arme und kranke Schüler bewirtet wurden. Am Tag der Taufe, am 9. August, richtete das Großherzogspaar Friedrich I. und Luise die "Erbgroßherzog-Friedrich-Stiftung" ein. Die Zinsen des Stiftungskapitals sollten jährlich am Geburtstag des Erbgroßherzogs als Sparkasseneinlagen an arme badische Kinder verteilt werden. Entsprechend der Bedeutung des Ereignisses wurde die Taufe von Friedrich Wilhelm Ludwig Leopold August mit Wasser aus dem Jordan vollzogen. Ein Gast, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, hatte es als Geschenk mitgebracht. Mit Erbgroßherzog Friedrich hatte Baden nun zwar einen Thronfolger. Der musste jedoch ein halbes Jahrhundert warten, bis er seinem Vater im Amt folgen konnte. 18- jährig begann er eine militärische Laufbahn, unterbrochen von einem Studium Generale an den Universitäten Leipzig, Freiburg, Heidelberg und Bonn. Die letzten beiden verliehen ihm später die Ehrendoktorwürde. Erste Regierungserfahrungen konnte Friedrich 1881/82 sammeln, als er seinen kranken Vater vertrat. 1902 beendete er seinen Militärdienst, der ihn nach Freiburg, Potsdam, Berlin und Koblenz geführt hatte, und zog mit Hilda von Nassau, mit der er seit 1885 verheiratet war, nach Karlsruhe. Dort residierte er im für ihn erbauten Erbgroßherzoglichen Palais, dem heutigen Bundesgerichtshof. Der Tod Friedrichs I. öffnete ihm schließlich 1907 den Weg auf den Thron. Politisch setzte Friedrich II. auf Kontinuität. Sozialen Reformen und Verfassungsänderungen stand er skeptisch gegenüber. Anstehende Entscheidungen wurden ihm jedoch 1918 aus der Hand genommen, als die Revolution in Baden ihn zuerst zur Flucht auf das Schloss Zwingenberg und schließlich zur Abdankung zwang. Bis zu seinem Tod am 9. August 1928 in Badenweiler lebte er - eingeschränkt durch eine schwere Augenerkrankung - zurückgezogen in Freiburg oder auf einem seiner Schlösser, die er als Abfindung erhalten hatte. Seine letzte Ruhestätte fand er in der Fürstlichen Grabkapelle im Karlsruher Hardtwald.
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