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Geschichte: Leidenschaftlicher Baumeister

Architekturprofessor Friedrich Julius Ratzel verstarb vor 100 Jahren

(cal) "Ratzel wollte bauen, nur bauen, viel bauen." So knapp brachte Fritz Hirsch in den Badischen Biografien das intensive, kurze Leben des Baumeisters und Architekturprofessors Friedrich Karl Julius Ratzel auf den Punkt. Der ledige, Sinnenfreuden liebende, stets besessen arbeitende Schöpfer des badischen Kunstvereins und des Ensembles von Generallandesarchiv, Verwaltungsgerichtshof und heutiger Oberfinanzdirektion beging am 5. Juli 1907 im Alter von 38 Jahren Selbstmord. Wegen einer "hartnäckigen Nervenerkrankung", wie zu lesen war. Stets eigenen Vorstellungen folgend, zog den zur Zeit des Jugendstils Wirkenden zunächst die Formensprache der Gotik an, später faszinierten ihn Barock und Spätrenaissance.

Geboren wurde er am 17. Juli 1869 als Sohn des Lithografen Karl Ratzel in Durlach. Früh verwaist, wuchs er in Sinsheim auf und machte 1887 am Real-Gymnasium, dem heutigen Helmholtzgymnasium, sein Abitur. Bereits während seines Architekturstudium an der TH Karlsruhe, das er 1893 mit dem Staatsexamen abschloss, hatte er in einem Berliner Architekturbüro praktische Erfahrungen gesammelt. Praktiker durch und durch, schlug er die Staatslaufbahn aus und arbeitete zunächst im Münchner Stadtbauamt. Studienreisen durch Deutschland, Österreich und Italien weiteten seinen Horizont. 1894 kehrte er als Assistent seines Lehrers Joseph Durm und des neu berufenen Professors Karl Schäfer in die Fächerstadt zurück. Um sich dort zu behaupten, musste er sich mit Schäfer gut stellen, was ihm die Feindschaft von Durm, der ihn eigentlich zurückgeholt hatte, eintrug. Folge waren nach seiner Habilitation 1897/98 die nur unter großen Widerständen erkämpfte Zulassung des "besten Architekten des Landes" als Privatdozent und erst 1905 die Ernennung zum Ordinarius.

Aber Ratzel verstand sich nicht als Wissenschaftler, sondern machte früh bei Wettbewerbsteilnahmen Furore. Der Durchbruch gelang dem erst 27-Jährigen mit dem ersten Preis samt Durchführung für das 1,5 Millionen teure Duisburger Rathaus. Von seiner Detailgenauigkeit zeugen heute noch über 1.100 erhaltene Skizzen und Pläne. Darunter auch die Zeichnung für seine eigene Portraitbüste, mit der er sich als Baumeister in der Tracht des 15. Jahrhunderts mit dem Stechzirkel in der Hand verewigte.

Als künstlerischer Mitarbeiter des Hofbauamts realisierte er ab 1899 neben den bereits genannten Hauptwerken unter anderem die keramische Werkstätte der Majolika in Karlsruhe, den Wasserturm in Rastatt und das Kollegienhaus für die Universität Freiburg, das Hermann Billing nach seinem Tod vollendete. Ebenfalls postum entstand auch eine seiner schönsten Arbeiten: der Krautkopfbrunnen auf dem Gutenbergplatz.




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