Wirtschaft: Entjüngung - was ist zu tun?Der demografische Wandel erfordert von Unternehmen Umdenken(or) Immer mehr ältere Menschen, immer weniger jüngere - diese Entwicklung beschäftigt Statistiker und Politiker seit langem. Allmählich stellen sich auch Unternehmen darauf ein, dass ihre Belegschaften älter werden. Welche Probleme gilt es zu lösen, welche Chancen zu nutzen? Diesen Fragen widmete sich vergangene Woche eine Veranstaltung der Kontaktstelle Frau und Beruf bei der Wirtschaftsstiftung Südwest: "Der demografische Wandel - Auswirkungen auf die Wirtschaft". In der IHK Karlsruhe begrüßten der Vorstandsvorsitzende der Wirtschaftsstiftung, Dr. Adolf Kopp, und die Leiterin der Kontaktstelle, Irma Boss, Vertreter von vier in der Region ansässigen Unternehmen - Michelin, Bosch, Pfizer, Härter -, die ihre Konzepte vorstellten. Das Jahr 2000 brachte Baden-Württemberg eine demografische Zeitenwende: Erstmals lebten mehr Menschen ab 60 Jahren als Menschen unter 20 Jahren im Land. Und seit 2004 gibt es mehr über 40-jährige als unter 40-jährige Erwerbspersonen. Diese Zäsuren stellte die Präsidentin des Statistischen Landesamts, Dr. Gisela Meister-Scheufelen, ins Zentrum ihres Impulsreferats. Die Geburtenrate liege derzeit bei 1,36 Kindern pro Frau. "Wir haben es nicht mit Überalterung zu tun, sondern mit Entjüngung!" Wenn weniger Kinder geboren werden, müssen wir sie besser ausbilden - dies ist das Fazit der Statistikerin. Vor allem Jugendliche mit Migrationshintergrund hätten nach wie vor große Defizite: "Dies ist ein Problem, aber auch ein großes Potenzial, das noch brachliegt." Unter den Unternehmen hat der "War for Talents", der Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte, längst begonnen. Darin sind sich die Human Resources-Verantwortlichen der Unternehmen einig. Die Zahl der Bewerbungen habe zugenommen, die Qualität aber sei gesunken, berichtete etwa Annett Enderle vom Pharmakonzern Pfizer. Steigerung der Attraktivität als Arbeitgeber sowie Bildungspartnerschaften mit Schulen und Kooperationen mit Hochschulen dienen den Firmen zur Nachwuchssicherung. Und die älteren Beschäftigten? "Es gibt keine älteren Mitarbeiter - nur erfahrenere", sagte Wolfgang Siebner von der Werkzeugbau- und Stanztechnikfirma Härter. Solche erfahrenen Kräfte würden auch für Schlüsselpositionen eingestellt. Der Reifenhersteller Michelin, wie Astrid Kurth erklärte, bekennt sich ausdrücklich zur Vielfalt - ob es um Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit oder Nationalität geht. Um älteren Mitarbeitern gerecht zu werden, bietet Michelin ein Lebensarbeitszeitkonto, Arbeitszeitmodelle, Gesundheits- und Sportprogramme sowie Weiterbildungsmaßnahmen an, achtet auf Ergonomie am Arbeitsplatz und altersgemischte Zusammensetzung der Teams. Auf den demografischen Wandel reagieren heißt für Unternehmen auch, den Frauenanteil unter den Beschäftigten gezielt zu erhöhen. Der Technologiekonzern Bosch hält es dabei für sinnvoller, den vorübergehenden Ausstieg von Mitarbeiterinnen zu verhindern, als ihre Wiedereingliederung nach einer Familienpause zu fördern: Harry Bowier von Bosch sprach sich für Teilzeitarbeit in der Elternzeit aus. Der demografische Wandel, so viel wurde deutlich, erfordert umfassendes Umdenken - ob es um Ausbildung, Berufstätigkeit von Frauen oder die Einstellung gegenüber älteren Beschäftigten geht.
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