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Rintheim: Festakt zu 100 Jahre Eingemeindung

"Ein gutes Gefühl von daheim ankommen"

(erg) "Es isch a gutes G'fühl von heim kommen", zitierte sich Ruth Lingenfelser selbst. Die in Rintheim geborene und aufgewachsene Autorin las beim Festakt zur Feier "100 Jahre Eingemeindung" am Sonntag aus ihren mundartlich verfassten Gedanken zur Heimat im Karlsruher Nordosten. Die beiden Pfarrer Erwin Schmidt (St. Martin) und Werner Lurk (Zum guten Hirten), die zuvor einen ökumenischen Gottesdienst feierten, verglichen dabei das Leben in Dorf und Stadtteil heute und vor 100 Jahren mit dem städtischen Dasein zu biblischen Zeiten, als der Prophet Jeremias forderte: "Bemüht Euch um das Wohl der Stadt!"

Nicht ganz so weit zurück blickte die Leiterin des Pfinzgaumuseums, Dr. Anke Mührenberg, bei ihrem Festvortrag. Weil Rintheim ab 1451 zum Amt Durlach gehörte und Mührenberg beim Institut für Stadtgeschichte für Durlach zuständig ist, kam ihr die Aufgabe zu, die Geschichte des 1110 erstmals urkundlich erwähnten Ortes aufzufächern.

Die historischen Verbindung Rintheims zu der jeweils benachbarten größeren Stadt sind facettenreich. So boten die Rintheimer etwa zu Beginn des 20. Jahrhundert Durlacher Fußballern Asyl. Weil die Kicker ihrem Bürgermeister den Hut vom Kopf geschossen hatten, mussten sie ihre Stadt verlassen und konnten dem englischen Spiel fortan auf Rintheimer Gelände frönen.

Damals war bereits viel Rintheimer Gelände in Karlsruher Eigentum übergegangen, weil der neue Hauptfriedhof der aufstrebenden Stadt Karlsruhe seit 1874 auf Gemarkung des Dorfes Rintheim lag. Seit der Eingemeindung lag dann der Gottesacker auch wieder innerhalb der Grenzen Karlsruhes. Auch die Gebäude der Nähmaschinenfabrik Haid und Neu standen in Rintheim. Der Ort hatte sich vom Bauerndorf zum Wohnort für Industriearbeiter mit Feierabendlandwirtschaft und einer starken Arbeiterbewegung entwickelt.

Im Gegensatz zu den Bewohnern der beiden ebenfalls zum 1. Januar 1907 eingemeindeten Dörfer Rüppurr und Beiertheim waren die Rintheimer gerne Karlsruher geworden. Trotz ihres relativen Reichtums, den sie mit dem Verkauf des Friedhofs-Geländes erworben hatten, wollten sie schon fünf Jahre früher Teil der Residenz werden.


Dort aber zierte man sich noch, unter anderem auch, weil die Stadt Verpflichtungen aus alten Verträgen übernehmen musste und in Rintheim wegen seiner sandigen Böden "nur Sandhasen" lebten.

Die meisten Klauseln im Eingemeindungsvertrag waren "Soll"-Bestimmungen. Entsprechend lange ließ gelegentlich die Realisierung auf sich warten. So fuhr etwa die erste Straßenbahn erst 1929 nach Rintheim. Und heute sind's noch immer alte Wagen.

Im Fazit aber war sich Mührenberg mit OB Heinz Fenrich einig: Sowohl die Stadt Karlsruhe als auch der eingemeindete Ort Rintheim haben seit 100 Jahren von dem Zusammenschluss deutlich profitiert.




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